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Blue Ruin
Blue Ruin
© Praesens-Film AG

Kritik: Blue Ruin (2013)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 5 / 5

Mit über einem Jahr Verspätung startet Jeremy Saulniers Rache-Drama "Blue Ruin" nun in den deutschen Kinos. Seine Premiere erlebte der Film bereits auf dem letztjährigen Festival von Cannes - auf dem er prompt für viel Furore sorgte: "Blue Ruin" wurde dort mit dem von der internationalen Filmkritiker-Vereinigung verliehenen FIPRESCI-Preis ausgezeichnet. Im Anschluss daran trat der Film eine regelrechte Filmfestival-Weltreise an und wurde u.a. in Locarno, Toronto, Rotterdam, Turin und dem Sundance Festival gezeigt. "Blue Ruin" ist ein emotional packender, kompromissloser Film, der dem angestaubten Genre des "Rache-Dramas" zur Rehabilitation verhilft und vor allem mit seinen dreckig-düsteren Bildern beeindruckt.

Die Vorbilder von Regisseur Jeremy Saulnier sind nicht schwer zu erkennnen: im schwarzen, bitterbösen Humor des Films spiegelt sich der Witz der Coen-Brüder wieder und man denkt zwangläufig an deren Klassiker "Blood Simple" (1984) oder "Fargo" (1995). "Blue Ruin" ist aber auch derart kompromisslos und trocken inszeniert, vor allem auch hinsichtlich seiner rigorosen Gewaltdarstellungen, dass weitere Vorbilder des Regisseurs in Quentin Tarantino ("Kill Bill") und Michael Winner ("Ein Mann sieht rot") auszumachen sind. Dabei sind es vor allem drei Fragen, die Regisseur Saulnier mit seinem Film aufwirft: wie reagiert ein normaler, unbescholtener Mensch, wenn er plötzlich in eine derartige Extremsituation gerät und mit dem Mörder seiner Eltern konfrontiert wird. Die anderen Fragen: Wie bewertet der Zuschauer das Prinzip der gewaltsamen Selbstjustiz, die die Hauptfigur an den Tag legt und wie würde er selber handeln? Ist blutige Rache eine mögliche Handlungsoption?

Besonders auffällig ist die düstere Bildsprache, derer sich "Blue Ruin" bedient. Die Aufnahmen der schmutzigen Straßen, kargen Landschaften und vernarbten Gesichter sind dreckig und trüb, hier erinnert der Film nicht selten an die staubige Optik von Italo-Western der 60er-Jahre. Ein weiteres großes Plus ist die Intensität, mit der Hauptdarsteller Macon Blair seine schonungslose, rohe Performance ausstattet. Er agiert gnadenlos und ohne Rücksicht, getrieben von bitterer Rache und getreu dem (auch im Film genannten) Motto: "Ich weiß nicht wie und wann es enden wird".

Fazit: Kompromissloses Rache-Drama mit bärenstarkem Hauptdarsteller und einer düster-staubigen Optik, die an Italo-Western-Klassiker erinnert.




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