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Wir sind jung. Wir sind stark.
Wir sind jung. Wir sind stark.
© Zorro Film

Kritik: Wir sind jung. Wir sind stark. (2015)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Dass Burhan Qurbanis Spielfilm keine brav bebilderte Geschichtsstunde ist, wie sie im deutschen Kino leider allzu oft zu sehen ist, wird schnell deutlich. "Wir sind jung. Wir sind stark." scheint sich eher an internationalen Vorbildern wie Spike Lees "Do The Right Thing" (1989), Mathieu Kasovitz' "Hass" (1995) oder Shane Meadows' "This Is England" (2006) zu orientieren als an der deutschen Konkurrenz. Das zu einem großen Teil in Schwarzweiß gehaltene Drama zeigt sich von den ersten Aufnahmen an stilbewusst und führt die Clique um den Protagonisten Bolle mit einer geradezu entfesselten Kamera ein. Dabei verkommt die aufwendige Inszenierung nie zum Selbstzweck, sondern steht immer im Dienst der Geschichte: Kreisende Kamerafahrten beschreiben da zum Beispiel die Ziellosigkeit von Bolle und seinen Freunden, während der von Betonbauten und Mauern zugestellte Bildkader die Perspektivlosigkeit der Jugendlichen widerspiegelt.

Die formale Brillanz des Films wird dabei von einem spannenden Plot getragen, dem es gelingt seine vielfältigen Handlungsstränge stets zusammenzuhalten und zu einem komplexen Gesamtbild zu verdichten. Neben der Coming-of-Age-Story um Bolle, bekommt so auch das Schicksal der vietnamesischen Gastarbeiter in Form der Wäscherin Lien Raum, während anhand von Bolles Vater, einem aufstrebenden Lokalpolitiker, die Rolle der Behörden kritisch betrachtet wird. Nur selten wirken einzelne Szenen redundant und lenken eher vom großen Ganzen ab, als dass sie etwas Erhellendes zur Handlung beitragen.

Die hervorragend besetzten Darsteller schaffen es nicht bloß, ihren selten sympathischen Figuren Leben einzuhauchen, sondern nehmen mit ihrem authentischen Spiel auch für sich und ihre meist komplexen Charaktere ein. Ausgerechnet der Hauptdarsteller Jonas Nay kann allerdings am wenigsten überzeugen und seine Rolle ist sicherlich einer der Schwachpunkte von "Wir sind jung. Wir sind stark.": Im Vergleich zu den anderen Schauspielern mit ihren Jogginganzügen und Schnauzern wirkt Nays Junge von nebenan wie ein Fremdkörper im Film, sein stets sauber artikulierender Bolle soll wohl als eine Identifikationsfigur für das Publikum dienen. Dabei bleibt seine Figur aber auf seltsame Weise eine Leerstelle, deren weitere radikale Entwicklung nur schwer nachzuvollziehen ist und damit unglaubwürdig bleibt.

Fazit: Dieses brillant inszenierte Drama um die Ausschreitungen in Lichtenhagen 1992 überzeugt mit starken Bildern und einem spannenden Plot. Lediglich die Hauptfigur wirkt etwas unstimmig.




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