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Kritik: Ohne Dich (2014)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Der überwiegend in Stuttgart und der Schwäbischen Alb gedrehte Film ist das späte Langfilmdebüt des 1970 geborenen Alexandre Powelz. Für sein Debüt gelang es ihm, erstaunlich viele prominente Namen zu gewinnen, von Helen Woigk über Katja Riemann bis zum Polizeiruf-Kommissar Charly Hübner. "Ohne Dich" ist ein Episoden-Melodram mit starken Darstellern, dessen unterschiedliche Geschichten miteinander zusammenhängen und am Ende schließlich ineinander übergehen. Die Schicksale der einzelnen Figuren wirken mitunter weniger glaubwürdig und daher beliebiger als z.B. jene in den bekannten Hollywood-Episodenfilmen "21 Gramm" oder "L.A. Crash", schlussendlich präsentiert sich "Ohne Dich" aber dennoch als stimmiges, hochemotionales Drama mit einigen herausragenden Momenten.

Es geht um die universellen Themen Leben, Tod, Liebe, Schicksal und Beziehung in diesem stark besetzten Debütfilm von Alexandre Powelz. Ihm gelingt es, beim Zuschauer Mitgefühl und Interesse für die Protagonisten zu wecken, vor allem für Rosa und Motte, deren Schicksale und Probleme den meisten Menschen bekannt vorkommen dürften. Denn wenn es einen nicht selbst einmal betraf, so kennt doch ein fast jeder etwa den Fall einer schweren Erkrankung aus dem eigenen familiären Umfeld oder Bekanntenkreis. Die Geschichten um Rosa und Motte sind dann auch jene beiden Episoden, die im Zentrum des Films stehen. Ein Vergleich dieser beiden Stories liegt natürlich auch deswegen nahe, da in beiden Personen etwas heranwächst, nur könnten diese körperlichen "Veränderungen" freilich unterschiedlicher nicht sein: während in Rosa, für die keine weitere Chemotherapie in Frage zu kommen scheint, das Krebsgeschwür wuchert, wächst in der jungen, melancholischen Motte neues Leben heran. Leben kommt und Leben geht.

Einer der schönsten Momente des Films ist jener, wenn Rosa und Marcel nach einem Besuch bei ihrem Vater in der Schwäbischen Alb in der Wohnung einen unbekümmerten, leidenschaftlichen Tanz aufs Parkett legen, der vor Lebensfreude und Hoffnung nur so strotzt. Der Song dazu: Der schrille, von 1984 stammende Pop-Klassiker "Marcia Baila" der französischen Avantgarde-Band Les Rita Mitsouko. "Ohne dich" steckt voller solcher kleinen Momente des Glücks und der Zuversicht, in denen doch irgendwie alles gut scheint und die Tragik der Realität kurz in den Hintergrund rückt. Etwa auch dann, wenn das Paar unbeschwert über ein riesiges Sonnenblumenfeld rennt und herumtollt wie zwei Kinder oder wenn Rosas Vater, ein 82-jähriger, gebrechlicher Herr mit dem Herz am rechten Fleck, seine attraktive Pflegerin zu einem Abendtänzchen verleiten will. Einziger Wermutstropfen des Films ist die Episode um Layla, deren Liebeskummer und Verzweiflung über das Ende einer Beziehung mit einem ebenso unsympathischen wie schmierigen Schönling, aufgesetzt, wenig glaubwürdig und an den Haaren herbeigezogen wirkt. Das führt dann schließlich auch dazu, dass dieser Plot wie ein Fremdkörper im Film erscheint und den Gesamteindruck leider trübt. Wie Layla einfach nicht von ihm lassen kann und sich immer mehr zu einer psychopathischen Stalkerin entwickelt, trägt mitunter sogar unfreiwillig komische Züge.

Fazit: Lebensnahes, mitreißendes Episoden-Drama mit starken Darstellern und einigen großartigen Momenten. Die Unglaubwürdigkeit und unfreiwillige Komik der dritte Episode trübt jedoch den Gesamteindruck.





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