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Phoenix (2014)

Deutsches Drama von Christian Petzold: Als Nelly zum Kriegsende 1945 aus Auschiwtz befreit wird, ist ihr Gesicht so zerstört, dass ihr eigener Mann, im festen Glauben sie sei wie Millionen anderer im KZ ermordet worden, sie nicht wiedererkennt...Kritiker-Film-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5
User-Film-Bewertung [?]: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4.5 / 5

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Im Juni 1945 bringt Lene (Nina Kunzendorf) ihre Freundin Nelly (Nina Hoss) aus dem Konzentrationslager zurück nach Berlin. Zuerst steht eine Gesichtsoperation auf dem Programm, denn Nelly hat unter ihrem blutigen Kopfverband schwere Verletzungen. Der Arzt sagt ihr, dass sich ihr Wunsch, wieder wie früher auszusehen, wohl nicht ganz erfüllen lässt. Lene, die bei der Jewish Agency arbeitet, erzählt Nelly, dass sie nun die vermögende Erbin ihrer im Holocaust ermordeten Familie ist. Zunächst bezieht Lene mit Nelly eine Wohnung in Berlin, aber sie kann es kaum erwarten, mit ihr nach Palästina zu gehen.

Nelly jedoch macht sich umgehend auf die Suche nach ihrem Mann Johnny (Ronald Zehrfeld), den sie immer noch liebt. Sie findet ihn in einem Club in Berlin, aber Johnny erkennt sie nicht. Er glaubt, dass seine Frau tot ist. Weil Nelly ihr aber ähnlich sieht, weiht Johnny sie in einen Plan ein: Sie soll sich als seine heimgekehrte Frau ausgeben, damit sie sich das Erbe ihrer Familie teilen können. Nelly willigt ein, nur um in Johnnys Nähe zu sein.

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PhoenixPhoenix - Johnny (Ronald Zehrfeld)PhoenixPhoenix


Filmkritikunterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse4 / 5

Nach seinen filmischen Inspektionen des deutschen Ost-West-Verhältnisses schickt Regisseur und Drehbuchautor Christian Petzold seine Stammschauspielerin Nina Hoss nun in ein Holocaust-Überlebensdrama der Stunde Null. Eine aus dem Konzentrationslager nach Berlin heimgekehrte, schwerverletzte Jüdin versucht verzweifelt, an ihr früheres Leben anzuknüpfen. Doch ihr Trauma und die Verdrängungsmechanismen ihrer Umgebung markieren einen klaffenden Bruch zwischen Gestern und Heute. Um diesen schizophrenen Zustand zu verdeutlichen, greift der Film auf eine gewagte geistige Konstruktion zurück: Nelly spielt für ihren Ehemann Johnny, der sie nicht erkennt, ihre eigene Doppelgängerin und testet aus, ob sich die alte Liebe noch wie ein Phoenix aus der Asche retten kann. Die Geschichte basiert auf Motiven des Romans "Le retour des cendres" von Hubert Monteilhet.

Mit Johnny zu üben, in die Rolle einer ihr vermeintlich fremden Frau zu schlüpfen, bedeutet für Nelly einen ständigen Aufschub ihrer Gefühle. Dieser emotionale Suspense sichert dem Film eine eigentümliche, artifizielle Spannung: Der Umgang mit dem Trauma geschieht auf geistiger Ebene, von einer quasi chirurgischen Warte aus. Der wieder einmal großartigen Nina Hoss eröffnet die irrwitzige Maskerade weite schauspielerische Möglichkeiten. Mit der eindringlichen, auf Nuancen setzenden Darstellung kann die übrige Besetzung nicht mithalten. Allgemein wirken die Figuren wie Traumwandler auf einer Bühne. Das spiegelt den historischen und persönlichen Moment der Leere, des allmählichen Erwachens in den Trümmern des eigenen Lebens, beeindruckend wider.

Als geistiges Experiment ist die Handlung zum Teil sperrig realitätsfern: Nellys rascher Verzicht darauf, sich Johnny als seine Frau zu offenbaren, und seine eigenen Scheuklappen bleiben rätselhaft wie manches andere, etwa die Person der Lene, die ihre Not hinter einer taffen Fassade verbirgt. Mit schneidender Schärfe aber werden einige der Lebenslügen dieser Stunde Null offenbart, wie der Wunsch, zu verdrängen. Johnny heuchelt für die Freunde, für sein Image menschliche Anteilnahme, als er Nelly in die Arme schließt. Das kann man auch als Seitenhieb auf die manchmal allzu eloquente deutsche Holocaust-Bewältigung späterer Jahrzehnte verstehen.

Das Berlin des Sommers 1945 ist hier häufig dunkel. In den verfallenden Häusern, die noch stehen, wirkt das gediegene Mobiliar seltsam gestrig. Der dunkelrote Lippenstift, den Nelly bald trägt, setzt einen furiosen Kontrast zum grauen Mangel rundum. Furios zieht auch die Spannung an, obwohl äußerlich wenig passiert, bis zu einem Finale, in dem alles wie magnetisch justiert an seinen Platz fällt. Wegen dieses zwingenden Verlaufs bekommt das Drama eine geradezu geniale Eleganz, die alle sonstige Sperrigkeit des Films überstrahlt.

Fazit: Christian Petzold inspiziert den Schockzustand der deutschen Stunde Null mit einem zunächst verkopft wirkenden Holocaust-Drama, dessen emotionaler Unterstrom jedoch für hochgradige Spannung sorgt.




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FBW: besonders wertvollWas für ein grandioses Drehbuch hat Christian Petzold für dieses psychologische Filmdrama auf höchstem Niveau geschaffen! 1945: Zweiter Weltkrieg und Hitlerreich sind zu Ende. Die Jüdin Nelly hat in Auschwitz zwar überlebt, kehrt nun aber mit [...mehr]

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Land: Deutschland
Jahr: 2014
Genre: Drama
Länge: 98 Minuten
FSK: 12
Kinostart: 25.09.2014
Regie: Christian Petzold
Darsteller: Nina Hoss als Nelly Lenz, Ronald Zehrfeld als Johannes, Megan Gay als Mitarbeiterin Zentralstelle
Verleih: Piffl Medien

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