oder
Eine Taube sitzt auf einem Zweig und denkt über das...nach
Eine Taube sitzt auf einem Zweig und denkt über das Leben nach
© Neue Visionen

Eine Taube sitzt auf einem Zweig und denkt über das Leben nach (2014)

En duva satt på en gren och funderade på tillvaron

Tragikomisches Theater aus Schweden: Zwei deprimierte Scherzartikel-Verkäufer verzweifeln an der Erfolglosigkeit ihrer Arbeit und hadern mit dem Sinn des Lebens.Kritiker-Film-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 5 / 5
User-Film-Bewertung [?]: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4.3 / 5

Filmsterne von 1 bis 5 dürfen vergeben werden, wobei 1 die schlechteste und 5 die beste mögliche Bewertung ist. Es haben insgesamt 4 Besucher eine Bewertung abgegeben.


"Wir wollen den Menschen dabei helfen, Spaß zu haben." Mit diesem Satz leiten die beiden notorisch erfolglosen Scherzartikel-Verkäufer Jonathan (Holger Andersson) und Sam (Nils Westblom) zumeist ihre Verkaufsgespräche ein, die jedoch nur in Ausnahmefällen von Erfolg gekrönt sind. Unter ihren Artikeln befinden sich Klassiker wie etwa ein Vampirgebiss mit "besonders langen Fangzähnen", ein Lachsack, Furzkissen oder - das neueste Produkt - eine Monstermaske mit dem Namen "Gevatter Einzahn". Leider jedoch sind sich die Beiden in keinster Weise einig darüber, welche Strategie sie am besten verfolgen sollten, um ihre Artikel an den Mann oder die Frau zu bringen. Die erfolglosen Jahre als umherstreunende Verkäufer haben aus den Zwei traurige, bemitleidenswerte Gestalten gemacht, die am Sinn ihres Seins zweifeln. Doch da sie notorisch pleite und auch mit der Miete im Rückstand sind, sind sie weiterhin dazu gezwungen, ihr Geschäft mit dem "Spaß" weiter zu betreiben.

Bildergalerie zum Film

A Pigeon Sat on a Branch Reflecting on ExistenceA Pigeon Sat on a Branch Reflecting on Existence -...rssonEine Taube sitzt auf einem Zweig und denkt über das...nachEine Taube sitzt auf einem Zweig und denkt über das...nachEine Taube sitzt auf einem Zweig und denkt über das...nachEine Taube sitzt auf einem Zweig und denkt über das...nach


Filmkritikunterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse5 / 5

"Eine Taube..." ist der neue Film des 71-jährigen, schwedischen Regisseurs Roy Andersson, der damit nach den beiden Werken "Song from the second floor" (2000) und "Das jüngste Gewitter" (2007) seiner Trilogie über die Natur des Menschen ein Ende setzt. Andersson gewann mit seiner an absurdes Theater erinnernde Tragikomödie in diesem Jahr den "Goldenen Löwen" als bester Film auf dem Filmfest in Venedig. Andersson bleibt hier dem kargen, reduzierten Inszenierungsstil der beiden Vorgänger treu und treibt sein Spiel mit dem skurrilen, possenhaften Humor aber nochmals auf die Spitze: "Eine Taube..." ist eine groteske Komödie über die (fehlende) Sinnhaftigkeit des menschlichen Daseins, die von aberwitzigen, burlesken Figuren bevölkert wird. Großes Arthouse-Kino für Cineasten.

Schon in der ersten Szene wird deutlich, dass Andersson dem optischen Stil und visuellen Konzept der ersten beiden Filme der Trilogie treu bleibt: die Kamera zeigt still und statisch zwei blasse menschliche Gestalten, die gedankenverloren und fast apathisch in einem viel zu kleinen Museumsraum in meterhohe Glaskästen starren. Darin befinden sich ausgestopfte Vögel. Eine trostlose, tieftraurige und bedrückende Szenerie, wie sie für Andersson so typisch ist. Der Regisseur arbeitet dabei fast gänzlich ohne Schnitte, seine Szenen bestehen in der Regel aus nur einer Einstellung. Was zudem sofort auffällt: die Farblosigkeit des Ereignisses. Andersson entzieht seinen ohnehin schon betrüblichen, faden Aufnahmen die Farben. Am Ende bleiben Menschen, die in einer depressiv anmutenden, lediglich grau-braun-dunkelblauen Kulisse eingebettet sind.

"Eine Taube..." besteht aus ca. 40 zumeist zusammenhang- und inhaltslos miteinander verbundenen Einzelszenen, im gesamten Film tauchen etwa 25 Hauptfiguren auf. Eines der wenigen, die einzelnen, bizarren Szenen verbindenden Elemente: die beiden bedauerlichen Scherzartikel-Verkäufer, mit denen man als Zuschauer Mitleid hat und die trotz - oder gerade wegen - ihrer misslichen Lage die Sympathien von Beginn an auf ihrer Seite haben. Eine klar erkennbare, stringente Handlung gibt es nicht. Dazu kommt, dass Andersson konsequent Vergangenheit und Gegenwart vermischt und unterschiedliche Zeiten sowie Epochen aufeinanderprallen lässt. So taucht plötzlich inmitten eines Verkaufsgespräches zwischen Jonathan und Sam sowie einem Wirt in dessen Kneipe der schwedische König Karl VIII. samt Soldaten und Gefolgschaft auf. In einer anderen Szene, die ebenfalls in einem Wirtshaus spielt, springt der Regisseur urplötzlich und ohne Vorwarnung 70 Jahre in die Vergangenheit zurück und zeigt das Treiben in der Kneipe im Jahre 1943. "Die Taube..." steckt voller solcher absurder und zutiefst melancholischer Momente. Für Cineasten ein Fest.

Fazit: Groteskes, aberwitziges Kunstkino voller merkwürdiger Gestalten und irrsinniger Ideen.




TrailerAlle anzeigen

Zum Video: Eine Taube sitzt auf einem Zweig und denkt über das...n nach

Filminfos & CreditsAlles anzeigen

Land: Schweden, Norwegen, Frankreich, Deutschland
Jahr: 2014
Genre: Drama
Länge: 100 Minuten
Kinostart: 01.01.2015
Regie: Roy Andersson
Darsteller: Holger Andersson als Jonathan, Nisse Vestblom als Sam
Verleih: Neue Visionen

Zusatzinformation

Der Film von Roy Andersson feiert seine Weltpremiere am 02. September 2014 im Wettbewerb der 71. Internationalen Filmfestspiele Venedig.

Verknüpfungen zum FilmAlle anzeigen

Eine Taube sitzt auf einem Zweig und denkt über das...nach
News
TV-Tipp für Mittwoch (23.8.): Leben eines Handlungsreisenden
Arte zeigt "Eine Taube sitzt auf einem Zweig"




Spielfilm.de-Mitglied werden oder einloggen.