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Eine Taube sitzt auf einem Zweig und denkt über das...nach
Eine Taube sitzt auf einem Zweig und denkt über das Leben nach
© Neue Visionen

Kritik: Eine Taube sitzt auf einem Zweig und denkt über das Leben nach (2014)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 5 / 5

"Eine Taube..." ist der neue Film des 71-jährigen, schwedischen Regisseurs Roy Andersson, der damit nach den beiden Werken "Song from the second floor" (2000) und "Das jüngste Gewitter" (2007) seiner Trilogie über die Natur des Menschen ein Ende setzt. Andersson gewann mit seiner an absurdes Theater erinnernde Tragikomödie in diesem Jahr den "Goldenen Löwen" als bester Film auf dem Filmfest in Venedig. Andersson bleibt hier dem kargen, reduzierten Inszenierungsstil der beiden Vorgänger treu und treibt sein Spiel mit dem skurrilen, possenhaften Humor aber nochmals auf die Spitze: "Eine Taube..." ist eine groteske Komödie über die (fehlende) Sinnhaftigkeit des menschlichen Daseins, die von aberwitzigen, burlesken Figuren bevölkert wird. Großes Arthouse-Kino für Cineasten.

Schon in der ersten Szene wird deutlich, dass Andersson dem optischen Stil und visuellen Konzept der ersten beiden Filme der Trilogie treu bleibt: die Kamera zeigt still und statisch zwei blasse menschliche Gestalten, die gedankenverloren und fast apathisch in einem viel zu kleinen Museumsraum in meterhohe Glaskästen starren. Darin befinden sich ausgestopfte Vögel. Eine trostlose, tieftraurige und bedrückende Szenerie, wie sie für Andersson so typisch ist. Der Regisseur arbeitet dabei fast gänzlich ohne Schnitte, seine Szenen bestehen in der Regel aus nur einer Einstellung. Was zudem sofort auffällt: die Farblosigkeit des Ereignisses. Andersson entzieht seinen ohnehin schon betrüblichen, faden Aufnahmen die Farben. Am Ende bleiben Menschen, die in einer depressiv anmutenden, lediglich grau-braun-dunkelblauen Kulisse eingebettet sind.

"Eine Taube..." besteht aus ca. 40 zumeist zusammenhang- und inhaltslos miteinander verbundenen Einzelszenen, im gesamten Film tauchen etwa 25 Hauptfiguren auf. Eines der wenigen, die einzelnen, bizarren Szenen verbindenden Elemente: die beiden bedauerlichen Scherzartikel-Verkäufer, mit denen man als Zuschauer Mitleid hat und die trotz - oder gerade wegen - ihrer misslichen Lage die Sympathien von Beginn an auf ihrer Seite haben. Eine klar erkennbare, stringente Handlung gibt es nicht. Dazu kommt, dass Andersson konsequent Vergangenheit und Gegenwart vermischt und unterschiedliche Zeiten sowie Epochen aufeinanderprallen lässt. So taucht plötzlich inmitten eines Verkaufsgespräches zwischen Jonathan und Sam sowie einem Wirt in dessen Kneipe der schwedische König Karl VIII. samt Soldaten und Gefolgschaft auf. In einer anderen Szene, die ebenfalls in einem Wirtshaus spielt, springt der Regisseur urplötzlich und ohne Vorwarnung 70 Jahre in die Vergangenheit zurück und zeigt das Treiben in der Kneipe im Jahre 1943. "Die Taube..." steckt voller solcher absurder und zutiefst melancholischer Momente. Für Cineasten ein Fest.

Fazit: Groteskes, aberwitziges Kunstkino voller merkwürdiger Gestalten und irrsinniger Ideen.





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