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Die Süsse Gier - Il Capitale Umano
Die Süsse Gier - Il Capitale Umano
© Movienet © 24 Bilder

Kritik: Die Süße Gier (2014)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 5 / 5

Paolo Virzis neuer Film "Die süße Gier" ("Il capitale umano") basiert auf Stephen Amidons Erfolgsroman "Der Sündenfall" ("Human Capital"). Für den Film wurde die Handlung von der amerikanischen Ostküste in den italienischen Norden verlegt und die Erzählung komplett umstrukturiert. Dies funktioniert derart perfekt, dass man ohne ein entsprechendes Vorwissen gar nicht auf die Idee käme, dass diese Geschichte an einem anderen Ort, als der gezeigten Lombardei spielen könnte. Dies beweist, wie sehr die Auswirkungen der globalen Wirtschaftskrise sich überall gleichen. In "Die süße Gier" ist die Verbrechensaufklärung nur der Aufhänger, um eine durch die Gier nach Geld und Macht innerlich zerfressene Gesellschaft zu demaskieren. Auch wenn die Rollen des Immobilienmaklers Dino und des großen Investment-Fond-Experten Giovanni und dessen gelangweilter Frau Carla grundverschieden sind, so gleichen sie sich doch sehr in ihrer eiskalten Egozentrik, Oberflächlichkeit. Ihr Leben ist reine Fassade, an deren Glätte die wirklich wichtigen Probleme in ihrem Umfeld gnadenlos abprallen. Einzig die junge Serena hat noch nicht den Zugang zu ihrem Inneren und zu wahren Werten verloren.

Virzi verzichtet darauf seine Protagonisten explizit zu beurteilen. Stattdessen gibt er den Protagonisten viel Raum, welche die durchgehend hervorragenden Schauspieler durch sehr facettenreiche Darstellungen auszufüllen wissen. Der Zuschauer darf hier dankenswerter Weise selbst mitdenken und nach und nach entdecken, was für Abgründe sich unter der schönen Oberfläche nach allen Richtungen hin auftun. Hierbei nimmt sich Virzi bei seiner Inszenierung viel Zeit, um das Geschehen sich entfalten zu lassen. Wie bei einer Zwiebel dringt er allmählich zum Kern vor, indem er er Schicht um Schicht frei legt. Auch die visuelle Gestaltung des Films ist recht dezent und zeugt zugleich von den perfekten handwerklichen Qualitäten aller Beteiligter. Der als ein Erbe der "Commedia all'italiana" geltende Paolo Virzi vollzieht mit "Die süße Gier" einen Schwenk hin zu einem leichten Understatement, das in Verbindung mit dem recht düsteren Tonfall durchaus etwas Britisches an sich hat.

Fazit: "Die süße Gier" ist ein nuanciertes, komplexes und vielschichtiges Drama und ein auf leisen Sohlen daherkommendes lupenreines Meisterwerk.




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