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Mommy
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© Weltkino Filmverleih

Kritik: Mommy (2014)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 5 / 5

Der Frankokanadier Xavier Dolan hat mit seinen erst 25 Jahren bereits fünf Spielfilme gedreht, die sich allesamt durch ihre große Kraft und Originalität auszeichnen. Bei seinem neuen Film "Mommy" ist bereits ab dem ersten Bild auf der Leinwand deutlich, dass den Zuschauer auch hier ein äußert ungewöhnliches Seherlebnis erwartet. Denn das Bildformat ist kein übliches Breitformat, sondern ein leichtes Hochformat, das fast quadratisch wirkt. Dies ist keineswegs ein leerer Manirismus. Nicht nur, dass der Kameramann André Turpin es hervorragend versteht jederzeit das Optimale aus dem ungewöhnlichen Format herauszuholen. Mit der Zeit offenbart sich auch, dass dieses Format ausgesprochen gut die so intime, wie intensive Geschichte unterstützt. Der enge Bildausschnitt macht zudem die herrschenden engen Verhältnisse spürbar. Letzteres wird spätestens deutlich, wenn sich das Format an zwei Stellen unverhofft ins Breitbild ausdehnt. Die starke optische Wirkung entspricht der großen inneren Freiheit und Unbekümmertheit in den entsprechenden Szenen.

Dies spiegelt auch, dass in "Mommy" der Ausnahmezustand der Normalzustand ist und umgekehrt: In dem gezeigten engen gesellschaftlichen Umfeld, ist nicht nur Steve ein Außenseiter. Auch seine leicht überkandidelte Unterschichtenmama und die sprachgestörte Kyla befinden sich nach amerikanischen Werten eindeutig auf der Loser-Seite des Lebens. Zugleich ist "Mommy" ein Film, der ein ungewöhnlich intensives Gefühl ungebremmster Lebensfreude verströmt. So wird Steve nicht einfach auf den gestörten Jungen reduziert. Ihn zeichnen auch eine enorme Energie und ein großes Charisma aus. Ist Steve gut drauf, ist er äußerst charmant und flirtet sogar mit Kyla. Mal tanzt Steve ausgelassen in der Küche zu Cécile Dijon. Dann schleudert er auf dem Parkplatz eines Supermarktes schreiend einen Einkaufswagen im Kreis herum. Fühlt Steve sich hingegen provoziert – und das passiert in einer Tour – wird das Gegenüber mit einem nicht abreißen wollenden Schwall an übelsten Schimpfwörtern eingedeckt. In solcher Verfassung neigt Steve auch derart stark zu körperlicher Gewalt, dass sich selbst seine "Mommy" vor ihm in die hinterste Kellerecke versteckt. In solchen Situationen leidet man unweigerlich mit beiden gleichermaßen mit.

Fazit: Xavier Dolans neues Meisterwerk zeichnet eine einmalige emotionale Wucht aus. Das Drama ist nicht weniger, als der beste Film des Jahres 2014.




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