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Mommy - Antoine Olivier Pilon
Mommy - Antoine Olivier Pilon
© Weltkino Filmverleih

TV-Tipps für Sonntag (14.5.): Liebe im Quebec-Quadrat

Arte zeigt FreeTV-Premiere "Mommy"

Am Sonntagabend haben Kinofans die Wahl im Hauptprogramm zwischen dem österreichischen Klassiker "Sissi", auf 3 sat, oder dem aufwühlenden und ungewöhnlichen kanadischen Drama "Mommy", den Arte als FreeTV-Premiere ausstrahlt.

"Sissi", 3sat, 20:15 Uhr
Die junge, lebhafte Bayerische Prinzessin Elisabeth "Sissi" (Romy Schneider) und der designierte Verlobte ihrer Schwester (Uta Franz), der Österreichische Kaiser Franz Josef (Karlheinz Böhm), verlieben sich - gegen den Willen und die Pläne ihrer Familien.

"Sissi" gehört mit zu den erfolgreichsten Filmen des deutschsprachigen Kinos. Leider wurden vor 1968 noch keine Zuschauerzahlen erhoben, so dass man auf Schätzungen angewiesen ist, aber eine Zahl, die kursiert, sind 25 Millionen verkaufte Eintrittskarten. Zum Vergleich: Der erfolgreichste Film des letzten Jahres, "Rogue One: A Star Wars Story", konnte rund 4 Millionen Interessierte für sich gewinnen. Nun war das Unterhaltungsangebot 1955 noch nicht so diversifiziert wie heute mit Fernsehen und Internet, dennoch bleibt der Erfolg außerordentlich, was sich ja auch daran zeigt, dass Erma-Film sofort zwei Fortsetzungen in die Kinos brachte.

Der Mann hinter diesem phänomenalen Erfolg war Ernst Marischka, der aus einer Wiener Künstlerfamilie stammt, die bis in die Gegenwart reicht: In dritter Generation arbeitet die 49-jährige Nicole Marischka derzeit im Fernsehen und auf der Bühne. Ernst hatte zusammen mit seinem Bruder Hubert 1931 die Rechte an dem Theaterstück "Sissys Brautfahrt" von Ernst Décsey und Gustav Holm gekauft. Zusammen mit den Theaterstückautoren arbeitete das Brüderpaar das Stück zur Operette "Sissy" um, die von 1932 bis 1936 mit großem Erfolg gespielt wurde. So sehr, dass Hollywood auf den Stoff aufmerksam wurde: 1935 verkaufte Marischka für 160 000 Dollar - das entspräche heute knapp 3 Millionen Dollar - die Rechte an Columbia Pictures, die 1936 das Musical "The King Steps Out" mit Grace Moore und Franchet Tone auf die Leinwand brachten.

An diese "Sissy" erinnerte sich der inzwischen 61 Jahre alte Regisseur fast 30 Jahre später, nachdem ihm 1954 mit "Mädchenjahre einer Königin", in der Romy Schneider die junge britische Königin Victoria gemimt hatte, ein Erfolg an den Kinokassen geglückt war. Jetzt dachte er sich: "Sissi sells". Doch die Rechte an "seinem" Stoff lagen nun ja in Hollywood. Statt dessen erwarb Marischka die Verfilmungsrechte an dem Roman "Sissi" von Marie Blank-Eismann aus dem Jahr 1952, schrieb diesen in ein Drehbuch um und engagierte erneut Schneider für die Hauptrolle.

Gedreht wurde, so weit es ging, an Originalschauplätzen: In Schloss Schönbrunn in Wien, in der Kaiservilla in Bad Ischl und in der Michaelerkirche in Wien. Nur im verfallenen Schloss Possenhoffen am Starnberger See konnte man nicht filmen, statt dessen stand das Schloss Fuschl am Fuschlsee im Salzkammergut ein.

Marischka gelang mit dem österreichischen Drama ein anspruchlos farbenprächtiges Werk - rührend, romantisch und gefühlvoll im Stil der damaligen Heimatfilme. Während die Kritiker die Nase rümpften ob des "Kitsches", der mit der historischen Wahrheit nicht viel am Hut hatte, waren die Zuschauer bekanntlich anderer Meinung. Aus dem Meer der Lustspiel-Belanglosigkeiten des deutschsprachigen Kinos der fünfziger Jahre ragt "Sissi" auf jeden Fall als ein bis heute die Generationen übergreifend faszinierender Streifen heraus.

Ein australischer Zuschauer aus Sydney schreibt: "Einer der schönsten und süßesten Filme, den ich je gesehen habe. Romy Schneider ist wunderschön und charmant, die Szenerien gleichen perfekten Postkartenmotiven, die Kostüme sind prächtig, und es gibt viele komische Einsprengsel."



"Mommy", Arte, 20:15 Uhr
Die verwitwete Mutter (Anne Dorval) eines gewalttätigen Sohns (Antoine-Olivier Pilon) schöpft neue Hoffnung, als eine geheimnisvolle Nachbarin (Suzanne Clément) mehr und mehr Teil ihres Haushalts wird.

Sollte Arte dieses intensive und berührende kanadische Drama in dem Bildformat ausstrahlen, in dem Regisseur und Drehbuchautor Xavier Dolan es gedreht hat, dann müssen sich Zuschauer erstmal an das Seherlebnis gewöhnen. Üblicherweise beträgt das Seitenverhältnis beim Kinobild Höhe zu Breite 1 zu 1.85, bei Breitbildfilmen 1 zu 2.35, manchmal sogar bis zu 2.70. Dolan hat seinen Streifen im Format 1 zu 1 gedreht - also in einem engen, quadratischen Bild - und begründete dieses absolut ungewöhnliche Format: "Ich weiß, dass einige sagen werden: 'Oh, wie maniriert!' Aber für mich ist das ein bescheideneres und privateres Format, das etwas besser zu den Leben passt, in die wir hineintauchen. Cinemascope, das wäre ein extrem maniriertes Format gewesen, das nicht zum Film passt."

Inhaltlich befasst sich das Werk, das für 5 Millionen Dollar mit einer Handkamera in Quebec gefilmt wurde, wie so häufig bei diesem Filmemacher mit einer Mutter-Sohn-Beziehung. Mit Anne Dorval und Suzanne Clément arbeitete der Kanadier mit Schauspielerinnen zusammen, die schon des öfteren für ihn vor der Kamera gestanden hatten.

Der beeindruckende, berührende und intensive "Mommy" wurde 2014 zu den Filmfestspielen in Cannes eingeladen, wo er eine 13 Minuten lange stehende Ovation und schließlich den Jury Preis - also den dritten Platz hinter dem türkischen "Winterschlaf" und dem italienischen "Land der Wunder" - erhielt.

Neben den begeisterten Kritikern und Zuschauern sowie dem kommerziellen Erfolg mit einem Umsatz von weltweit 13 Millionen Dollar erhielt das herausfordernde und bereichernde Werk viele weitere Nominierungen und Preise rund um den Globus. Bei den Kanadischen Filmpreisen war "Mommy" für nicht weniger als 13 Kategorien nominiert und konnte neun davon gewinnen: Als "Bester Film", für Regie, Drehbuch, Hauptdarstellerin Anne Dorval, Hauptdarsteller Antoine-Olivier Pilon, Nebendarstellerin Suzanne Clément, Kamera, Schnitt und Maske. In Frankreich und Dänemark erhielt er als "Bester ausländischer Film" die Auszeichnungen; in Italien war er nominiert.

Kritiker Geoffry Macnab urteilte im "Independent": "Die Erzählweise ist eigenwillig und willkürlich, aber der Film ist mit solcher Aufrichtigkeit und emotionaler Intensität gemacht und gespielt, dass seine gelegentlichen Fehltritte niemals zum Problem werden."



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