VG-Wort
Die Domain Spielfilm.de verwendet Cookies für funktionale und analytische Zwecke. Durch die Nutzung unserer Seite erklärst Du Dich damit einverstanden. Weitere Cookie-Informationen findest Du hier.

Ok, einverstanden!

oder

Kritik: Talea (2013)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Das Langfilmdebüt der österreichischen Regisseurin Katharina Mückstein erzählt mit wortkarger Zärtlichkeit von einer schwierigen Mutter-Tochter-Beziehung. Der Titelbegriff Talea heißt im Italienischen Setzling. Die einsame Jugendliche Jasmin sucht gegen viele Widerstände die Nähe zur unbekannten Mutter, die ihr Kind schon früh weggeben musste. Bei einem Ausflug aufs Land, auf den Spuren einer kurzen gemeinsamen Vergangenheit, scheint das von Jasmin gesetzte Pflänzchen Hoffnung tatsächlich aufzukeimen.
Die Geschichte besteht formal aus zwei Teilen und einem Epilog. Zunächst dreht sich alles um Jasmins Außenseitertum in Wien: Eine Szene beim Abendessen genügt, um zu demonstrieren, wie wenig sie in ihre Pflegefamilie integriert ist. Was in dem schüchternen Mädchen vorgeht, scheint niemanden zu interessieren. Ihre echte Mutter gibt im Gespräch mit ihrer Bewährungshelferin zu, sich vor dem Kontakt mit Jasmin zu scheuen. Im Hauptteil des Films verbringen Eva und Jasmin auf Betreiben der Tochter aber schließlich doch ein Wochenende auf dem Land. Einmal kuscheln sie nachts im Doppelbett des Gasthofzimmers, tagsüber streifen sie durch den Wald, liegen im Gras. Hier entstehen Momente inniger Nähe, als wären die beiden Schwestern. Eva vermeidet es konstant, sich als Jasmins Mutter auszugeben – unter dieser Rolle kann sie sich offenbar nichts als ihr Versagen vorstellen. Jasmin, die Aktive, die die Dinge in die Hand nimmt, ist sehr sensibel: Eine wunderschön verlangsamte Szene zeigt sie selbstvergessen neben der Mutter tanzend, in einer Disko, und als sie aus der Trance erwacht, erwartet sie eine herbe Enttäuschung. Denn die Mutter betrachtet sie nicht, sondern tanzt mit dem Gastwirt Stefan.
Die reservierte Eva, die auf dem Land ihre Lebenslust wiederentdeckt, und die fordernde, aber auch schüchterne Tochter bilden ein spannendes Duo. Mücksteins Inszenierung ist sehr sparsam, aber zielsicher: Wenige skizzenhafte Szenen genügen ihr, um Jasmins Gefühle zu schildern. Der Ausflug hat einen offenen Charakter: Zwischen den wenigen Dialogen ist ganz viel Luft, Raum für Entdeckungen. Darin spiegelt sich der Wunsch Jasmins, etwas wachsen zu lassen. Plötzlich und wie aus dem Zusammenhang gerissen, werden Aufnahmen einer Waldhütte oder eines kleinen Sees hineingeschnitten, in denen sich die Kamera langsam heranzoomt, ohne dabei etwas Sichtbares zu entdecken. Es sind Bilder, die Jasmin und ihre Mutter mitnehmen, jede für sich und doch als neue Gemeinsamkeit. Oft sind es Kleinigkeiten, die im Leben entscheidende Veränderungen in Gang setzen.

Fazit: Das Langfilmdebüt der österreichischen Regisseurin Katharina Mückstein begleitet kurz und spannend, präzise und doch auch poetisch-luftig eine 14-Jährige bei der gelebten Utopie eines Neuanfangs mit ihrer fremden Mutter.






Spielfilm.de-Mitglied werden oder einloggen.