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Verstehen Sie die Béliers?
Verstehen Sie die Béliers?
© Concorde

Kritik: Verstehen Sie die Béliers? (2014)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Die dramatische Komödie "Verstehen Sie die Béliers?" von Regisseur Éric Lartigau lockte in Frankreich in knapp drei Wochen über drei Millionen Zuschauer in die Kinos. In Deutschland wird die Geschichte das Publikum an Caroline Links Drama "Jenseits der Stille" erinnern. Denn auch dort ging es um ein Mädchen mit gehörlosen Eltern, das sein musikalisches Talent entdeckt. Das Drehbuch von Victoria Bedos und Stanislas Carré de Malberg betont eher die humorvollen Aspekte dieser ungewöhnlichen Konstellation. In der Hauptrolle überzeugt die natürlich wirkende Newcomerin Louane Emera, die 2013 durch die französische Castingshow "The Voice" bekannt wurde.

Emera spielt Paula als zupackende, im Leben stehende Sympathieträgerin. Oft können die Eltern es kaum erwarten, dass Paula aus der Schule zurückkehrt: Wenn Telefonate geführt werden müssen oder die Béliers auf dem Markt Käse verkaufen, ist die Tochter unabkömmlich. Paula ist das Dolmetschen manchmal peinlich, besonders wenn die Eltern beim Gynäkologen über intime Dinge sprechen. Auch für das Publikum fasst Paula, wenn sie mit ihren Eltern diskutiert, deren Beiträge verbal zusammen. So spart sich der Film an einigen Stellen die Untertitel, aber die Gespräche wirken auf diese Art auch etwas bühnenhaft bemüht.

Gerade weil sich die Familie so auf Paulas Hilfe verlässt, trifft sie die Erkenntnis, dass sich die Tochter abnabeln will, ziemlich unvorbereitet. Zugespitzt wird dieser Konflikt noch durch die Tatsache, dass Paula ausgerechnet im Singen ihre Zukunft sieht, in einer Welt also, die ihren Eltern für immer unbekannt bleiben wird. Paulas Alltag wird abwechslungsreich zwischen dem elterlichen Bauernhof und der Schule aufgeblättert. Der Chorlehrer, Monsieur Thomasson, ist mit seinem Schwanken zwischen Frust und Engagement besonders interessant gezeichnet. Dennoch bleiben viele Charaktere oberflächlich. Besonders die Eltern müssen mit ihrer Gehörlosigkeit und ihrer direkten, schrullig wirkenden Art oft lediglich für Situationskomik herhalten. Wenn sie miteinander kommunizieren, geht es allzu häufig um Sex, als wolle sich der Film damit beim Publikum anbiedern. Auch das Lied, das Paula und Gabriel einüben, ist erotisch expliziter, als man es von einer schulischen Darbietung erwartet. Ebenfalls eigenwillig geht der Film mit Nebenhandlungen wie der Bürgermeisterkandidatur des Vaters um: Diese wird groß eingeführt, ohne anschließend einen sinnvollen Platz in der Geschichte zu finden. Das Flüggewerden der Tochter steuert aber auf einen sehr emotionalen musikalischen Höhepunkt zu, der für das Aussitzen seichterer Passagen entschädigt.

Fazit: Der französische Coming-of-Age-Film erinnert thematisch an Caroline Links Drama "Jenseits der Stille", ist aber in erster Linie als unterhaltsame Komödie angelegt. Die Inszenierung wirkt zwar manchmal seicht und unausgegoren, aber die junge Newcomerin Louane Emera beeindruckt in der Hauptrolle mit ihrer kraftvollen, natürlichen Darstellung.





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