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Ma Ma - Der Ursprung der Liebe
Ma Ma - Der Ursprung der Liebe
© MFA Film © Die FILMAgentinnen

Kritik: Ma Ma - Der Ursprung der Liebe (2014)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 5 / 5

Der Baske Julio Medem zählt zu den wichtigsten lebenden spanischen Regisseuren. Im Gegensatz zum kultisch verehrten Enfant terrible Pedro Almodóvar oder zum soliden Handwerker Alejandro Amenábar, die trotz subversiver Anfänge längst im Mainstream angekommen sind, spaltet Medem Publikum und Kritik nach wie vor. Das liegt zum einen an seinen Themen, zum anderen an deren ungewöhnlicher Vermittlung.

Schon Medems erste drei Filme, "Vacas – Kühe" (1991), "Das rote Eichhörnchen" (1993) und "Tierra" (1996), drehten sich um schicksalhafte Begegnungen außerordentlicher Figurenkonstellationen und die Macht des Zufalls, stets mit einer Prise Erotik und Spiritualität gewürzt. In "Die Liebenden des Polarkreises" (1998) und "Lucia und der Sex" (2001) brachte Medem seine ausgefeilte Erzählweise schließlich zur Perfektion. Visuell betörend, symbolisch überfrachtet und narrativ verschlungen, funktionieren Medems traumhafte Dramen in erster Linie als sinnliches Erlebnis. Für den studierten Mediziner scheint Ratio beim Kinobesuch hintanzustehen.

Das ist auch in Julio Medems jüngstem Werk nicht anders. Hier durchlebt das Publikum die Gefühlswelt der alleinerziehenden Mutter Magda (grandios: Penélope Cruz), die nach einer Krebsdiagnose eine Brust verliert, dabei aber eine neue Liebe findet. Doch das Glück währt nicht lange. Wie Penélope Cruz diese vom Schicksal gleichermaßen gebeutelte wie geküsste Frau spielt, mit so viel Kraft, Enthusiasmus, Vitalität, aber auch Verzweiflung, gehört zum Besten ihrer bisherigen Laufbahn. Julio Medem, der für Magda von Anfang an Cruz vor Augen hatte und ihr die Rolle auf den Leib schrieb, weiß, wie er sie in Szene setzen muss. Wer "Ma Ma" sieht, könnte daran glauben, die Großaufnahme sei einzig für Penélope Cruz erfunden worden. Die Aktrice ist ein Ereignis, das den Kinosaal verzaubert.

Mit "Ma Ma" legt Julio Medem zwar nicht sein bestes, aber sein bislang reifstes Werk vor. Seine häufig überladene Bildsprache schraubt Medem deutlich zurück, ohne seine ihm eigene Handschrift zu verleugnen. Auch in "Ma Ma" kehrt der Regisseur und Drehbuchautor das Innenleben seiner Figuren nach außen, versucht, die Gefühle seiner Protagonisten für den Zuschauer visuell erlebbar zu machen. Das Drehbuch, das in zwei symmetrische Handlungsstränge zerfällt, die beide einen eigenständigen (kleinen) Film bilden könnten, ist formal nahe an der Perfektion. Unvorhergesehene Zufälle und irrationale Entscheidungen, die in einem aberwitzigen Finale münden, sind zwar auch dieses Mal Motor der Handlung, Medem behandelt Krankheit und Tod, aus denen neues Leben erwächst, jedoch weit weniger verspielt und deutlich tiefgründiger als zuvor.

Fazit: "Ma Ma" ist grandioses Gefühlskino voll Lebenslust, Erotik und Liebe mit einer unverwechselbaren Handschrift. Wer mit zu viel Ratio herangeht, wird sich an vielen Ecken und Kanten dieses traumhaften Dramas stoßen. Fans von Julio Medem dürfen sich hingegen auf einen der besten Filme des bisherigen Kinojahres freuen.





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