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Particle Fever - Die Jagd nach dem Higgs
Particle Fever - Die Jagd nach dem Higgs
© Kinoreal

Kritik: Particle Fever - Die Jagd nach dem Higgs (2013)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Physik ist eine spannende Wissenschaft. Vielen wird das Interesse für die Disziplin Newtons und Einsteins aber bereits auf der Schulbank ausgetrieben. Ein Dokumentarfilm schickt sich an, dies zu ändern. Mark Levinsons "Particle Fever – Die Jagd nach dem Higgs" steckt sein Publikum an. Die Gründe dafür sind vielfältig.

Da wäre zunächst einmal das Thema: Die Jagd nach dem Higgs-Teilchen, die Levinson in seiner Dokumentation begleitet, ist nicht irgendein physikalisches Experiment. Es beeindruckt allein durch seine schiere Größe – und durch seine Bedeutung. Nicht ohne Grund wird das Higgs auch Gottes-Teilchen genannt. Nach dem gegenwärtigen Standardmodell der Teilchenphysik hält es alle Materie zusammen. Ohne das Higgs gäbe es kein Leben, wie wir es kennen. "Particle Fever" berührt auf diese Weise ganz nebenbei auch existenzielle Fragen.

Dann wäre da die Verständlichkeit: Regisseur Mark Levinson gelingt es, sein Thema anschaulich zu bebildern. Als Hilfestellung dienen Grafiken und Animationen, die bereits Gesagtes visualisieren. Die sechs Wissenschaftler, die im Kern des Films stehen, erklären ihre hochkomplexen Theorien so gekonnt, dass sie selbst für einen Laien simpel erscheinen. Die Protagonisten geben der trockenen Wissenschaft zudem ein Gesicht. Auch wenn die Einblicke in die Leben der Physiker nur Bruchstücke bleiben, lässt sich der Zuschauer von deren Begeisterung für ihre Profession anstecken, fiebert dem Ausgng des Experiments entgegen.

Zu guter Letzt ist es Levinsons Inszenierung, die "Particle Fever" spannend macht. Der Regisseur baut seine Dokumentation wie einen Thriller auf. Einer der sechs Wissenschaftler ist David Kaplan, Professor für theoretische Teilchenphysik an der Johns Hopkins Universität in Baltimore. Gleich zu Beginn des Films beschreibt Kaplan die Physik an einem Scheideweg. Alles stehe und falle mit den Versuchen im Teilchenbeschleuniger LHC. "Entweder geht’s in eine goldene Ära, oder es wird ziemlich ernüchternd", sagt Kaplan. "So etwas gab es noch nie, dass ein ganzes Forschungsgebiet von einem einzigen Ereignis abhängt." Auf dieser Prämisse baut Levinson seinen Film auf und macht klar, dass bei einem negativen Ausgang Jahrzehnte umfassende Karrieren plötzlich in der Bedeutungslosigkeit versänken. Auch hier geht es also um Existenzen.

Trotz dieser Stärken überzeugt "Particle Fever" nicht vollends. Der Film hält seinen Spannungsbogen nicht über die gesamte Dauer, an manchen Stellen wirkt er arg gekünstelt. Zudem ist Levinsons Dokumentation nichts für Ästheten. Die Bilder schwanken zwischen überwältigenden Aufnahmen – etwa wenn der LHC in seiner vollen Größe auf der Leinwand zu sehen ist – und drögem Büroalltag. Bei einigen Interviews hat es den Eindruck, als seien sie aus Kostengründen via Internettelefonie oder als Videotagebuch geführt worden. Visuell gibt das für die große Leinwand häufig zu wenig her.
Wer sich daran nicht stört, wird an "Particle Fever" jedoch seine Freude haben.

Fazit: "Particle Fever – Die Jagd nach dem Higgs" schafft, was vielen Lehrern misslingt: (scheinbar) staubtrockene Wissenschaft lebendig zu vermitteln. Wer vor dem Film keine Ahnung von Physik hatte, wird den Kinosaal mit dem Gefühl verlassen, die Welt ein bisschen besser zu verstehen.




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