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Kritik: Inferno (2016)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

An Dan Brown und seinen Romanen scheiden sich die Geister. Während die Kritik regelmäßig – und nicht zu Unrecht – die Schablonenhaftigkeit seiner Plots und fehlende Plausibilität moniert, stürmen die Leser jedes Mal die Buchläden, wenn ein neuer Teil der Reihe um den Harvard-Symbologen Robert Langdon das Licht der Welt erblickt. Auch die bisherigen Kinoadaptionen – "The Da Vinci Code – Sakrileg" und "Illuminati" – spülten nicht gerade wenig Geld in die Kassen und unterstreichen, dass Browns Ansatz bestens funktioniert. Historisch-pittoreske Schauplätze, Verfolgungsjagden und geheime Botschaften, die sich in kulturellen Erzeugnissen verbergen, machen auch aus der Verfilmung von "Inferno" einen recht unterhaltsamen, aber wenig anspruchsvollen Rätselthriller, dem es sicher nicht an Tempo mangelt.

Dynamisch geht es schon in der Auftaktsequenz zu, die die Flucht des milliardenschweren Biowissenschaftlers Bertrand Zobrist (charismatisch: Ben Foster) und seinen dramatisch inszenierten Selbstmord zeigt. Gleich im Anschluss wird der Zuschauer in die orientierungslose Lage des Zeichenforschers Langdon (Tom Hanks) versetzt, der nach einem Schädeltrauma seine Umgebung nur verschwommen und auditiv verzerrt wahrnehmen kann. Schlimmer noch: Immer wieder wird er von unheimlichen Untergangsvisionen geplagt, für die der Professor keinerlei Erklärung hat. Routiniert führt uns Ron Howard, der wie schon bei den Vorgängern das Regiezepter schwingen durfte, in das Dilemma des Protagonisten ein, der sich fortan auf der Flucht befindet. Hanks und Leiwandpartnerin Felicity Jones, die die hilfsbereite Ärztin Sienna Brooks verkörpert, geben ein annehmbares Duo ab, auch wenn die Chemie ausbaufähig ist.

Logik und Figurenentwicklung sind einmal mehr nur zweitrangig. Im Vordergrund steht die hochtourige Spurensuche, die Langdon und Brooks immer wieder vor neue Rätsel stellt, wobei "Inferno" Italiens Dichterfürst Dante Alighieri und seine berühmte "Göttliche Komödie" in den Blick nimmt. Wie man es von den bisherigen Bestseller-Adaptionen gewohnt ist, erhält der Zuschauer kleine Bildungshäppchen, die stets im Dienst der Geschichte stehen und letztlich nicht über den Status von Fun-Facts hinausgehen. Wer schon immer wissen wollte, wo der Ursprung des Wortes "Quarantäne" liegt, sitzt hier im richtigen Film.

Dass die Handlung in erster Linie auf Wendungen und Tempo setzt, wirkt sich auch auf das dem Verschwörungsplot zugrunde liegende Problem der Überbevölkerung aus. Ernsthaft diskutiert wird das bedrohliche Szenario leider nicht. Vielmehr dient es zusammen mit Zobrists grausamen "Reduzierungsplänen" als erzählerischer Aufhänger, der einen hochdramatischen Schlussspurt garantiert. Unter dem Strich ist die dritte Brown-Verfilmung kurzweilig und unterhaltsam, bietet allerdings nicht mehr als das, was man erwartet.

Fazit: Zum dritten Mal spürt Tom Hanks als Zeichenforscher Robert Langdon einer Verschwörung nach, die erneut solides Blockbuster-Kino ohne große Ambitionen und starken Nachhall bietet.




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