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Praunheim Memoires (2014)

Deutscher Dokumentarfilm: Der Filmemacher Rosa von Praunheim erinnert sich an seine einfache Herkunft aus dem unspektakulären Frankfurter Stadtteil Praunheim.Kritiker-Film-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5
User-Film-Bewertung [?]: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3.0 / 5

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Der Filmemacher Rosa von Praunheim gilt als ein wichtiger deutscher Vertreter des postmodernen Films und als ein Vorreiter der hiesigen Schwulenbewegung. Wer hätte gedacht, dass sein exentrischer Künstlername dem sehr bodenständigen Frankfurter Statteil Praunheim Tribut zollt? Doch genau hier hat der Künstler seine Jugend verbracht. Dabei ist Praunheim denkbar weit davon entfernt ein Frankfurter Kreuzberg zu sein. Eine Bewohnerin beschreibt den Stadtteil im Film als "gutbürgerlich bis spießig". Schön sei jedoch die idyllische Lage am Stadtrand. Auf den hiesigen Wiesen wanderte von Praunheim gerne und dachte sich dabei Gedichte aus. Seine Eltern waren einfache Menschen, die mit Kunst und Kultur nichts am Hut hatten. Doch sie gaben ihrem Adoptivsohn viele Freiheiten und erlaubten ihm das Feiern wilder Partys. So richtig blühte von Praunheim dann auf, als er auf der Werkkunstschule in Offenbach zu studieren begann. Dort hatte die Künstlernatur erstmals Kontakt zu Gleichgesinnten und begann darüber hinaus auch seine Sexualität zu entdecken.

Filmkritikunterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse4 / 5

"Praunheim Memoires" ist so unspektakulär, wie der Stadtteil, an den sich Rosa von Praunheim in dieser schönen Dokumentation erinnert. Der Film ist das genaue Gegenteil von der egomanischen Show, die Udo Kier kürzlich in "Arteholic" lieferte. Rosa von Praunheim verzichtet dankenswerter Weise auf jede Art von Selbstinszenierung und gewährt stattdessen tiefe Einblicke in sein Leben. Der Künstler berichtet von seinen bescheidenen Anfängen: sein einfaches Elternhaus, dass er nur ein mäßiger Schüler war und dass er erst im zweiten Anlauf von der Werkkunstschule in Offenbach aufgenommen wurde. In der Dokumentation begegnet von Praunheim vielen alten Bekannten. Das Spektrum reicht von seinem alten Deutschlehrer, bis hin zu bekannten Frankfurter Künstlern.

So entsteht nebenher das plastische Bild eines Frankfurts, dass es heute nicht mehr gibt. So befand sich die Stadt in den fünfziger Jahren im Aufbruch. Damals galt Frankfurt als die einzige deutsche Großstadt mit einem weltoffenem Flair. Nach dem gesellschaftlichen, folgte folgte der politische Aufbruch, mit Adorno an der Universität und studentischen Hausbesetzern im Westend. Erst später wurde Frankfurt zu der jetzigen Hochhausstadt "Mainhattan" und zu der Stadt der Banken und des globalen Kapitalismus'. Von Praunheims Reise in die eigene Vergangenheit ist somit auch eine Erkundung der damaligen gesellschaftlichen Verhältnisse.

Hierzu gehört auch die Darstellung des Lebens als Homosexueller. Ein Bekannter des Künstlers erzählt, dass noch in den Fünfziger Jahren jeder Nachbar die Sittenpolizei verständigen konnte, wenn zwei Männer über Nacht in der selben Wohnung verbrachten. Deshalb musste man als Homosexueller befürchten, dass mitten in der Nacht plötzlich die Polizei an der Tür klopfte. Selbst wenn die ungebetenen Gäste keine sexuellen Handlungen nachzuweisen konnten, landete man anschließend automatisch in der "rosa Kartei" der Sittenwächter. Dass dies heutzutage unvorstellbar erscheit, ist mutigen Aktivisten wie von Rosa von Praunheim zu verdanken.

Fazit: Dies ist ein so unprätentiöser, wie aufschlussreicher Rückblick in Rosa von Praunheims Zeit als junger Erwachsener im Rhein-Main Gebiet, das sich in der damaligen Zeit in einer Phase großer gesellschaftlicher Umbrüche befand.




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Land: Deutschland
Jahr: 2014
Genre: Dokumentation
Länge: 82 Minuten
FSK: 0
Kinostart: 08.01.2015
Regie: Rosa von Praunheim
Darsteller: Ricarda Bechstein, Hans-Peter Hoogen, Sonya Kraus
Verleih: missingFilms

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