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Praunheim Memoires
Praunheim Memoires
© missingFilms

Kritik: Praunheim Memoires (2014)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

"Praunheim Memoires" ist so unspektakulär, wie der Stadtteil, an den sich Rosa von Praunheim in dieser schönen Dokumentation erinnert. Der Film ist das genaue Gegenteil von der egomanischen Show, die Udo Kier kürzlich in "Arteholic" lieferte. Rosa von Praunheim verzichtet dankenswerter Weise auf jede Art von Selbstinszenierung und gewährt stattdessen tiefe Einblicke in sein Leben. Der Künstler berichtet von seinen bescheidenen Anfängen: sein einfaches Elternhaus, dass er nur ein mäßiger Schüler war und dass er erst im zweiten Anlauf von der Werkkunstschule in Offenbach aufgenommen wurde. In der Dokumentation begegnet von Praunheim vielen alten Bekannten. Das Spektrum reicht von seinem alten Deutschlehrer, bis hin zu bekannten Frankfurter Künstlern.

So entsteht nebenher das plastische Bild eines Frankfurts, dass es heute nicht mehr gibt. So befand sich die Stadt in den fünfziger Jahren im Aufbruch. Damals galt Frankfurt als die einzige deutsche Großstadt mit einem weltoffenem Flair. Nach dem gesellschaftlichen, folgte folgte der politische Aufbruch, mit Adorno an der Universität und studentischen Hausbesetzern im Westend. Erst später wurde Frankfurt zu der jetzigen Hochhausstadt "Mainhattan" und zu der Stadt der Banken und des globalen Kapitalismus'. Von Praunheims Reise in die eigene Vergangenheit ist somit auch eine Erkundung der damaligen gesellschaftlichen Verhältnisse.

Hierzu gehört auch die Darstellung des Lebens als Homosexueller. Ein Bekannter des Künstlers erzählt, dass noch in den Fünfziger Jahren jeder Nachbar die Sittenpolizei verständigen konnte, wenn zwei Männer über Nacht in der selben Wohnung verbrachten. Deshalb musste man als Homosexueller befürchten, dass mitten in der Nacht plötzlich die Polizei an der Tür klopfte. Selbst wenn die ungebetenen Gäste keine sexuellen Handlungen nachzuweisen konnten, landete man anschließend automatisch in der "rosa Kartei" der Sittenwächter. Dass dies heutzutage unvorstellbar erscheit, ist mutigen Aktivisten wie von Rosa von Praunheim zu verdanken.

Fazit: Dies ist ein so unprätentiöser, wie aufschlussreicher Rückblick in Rosa von Praunheims Zeit als junger Erwachsener im Rhein-Main Gebiet, das sich in der damaligen Zeit in einer Phase großer gesellschaftlicher Umbrüche befand.





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