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Hubert von Goisern - Brenna tuat's schon lang
Hubert von Goisern - Brenna tuat's schon lang
© Movienet © 24 Bilder

Kritik: Hubert von Goisern - Brenna tuat's schon lang (2015)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Marcus H. Rosenmüller, der als Begründer des neuen deutschen Heimatfilms gilt, porträtiert den österreichischen Pionier der neuen Volksmusik, Hubert von Goisern. Allerdings ergibt sich dabei nie ein Gespräch vor der Kamera, denn der Regisseur bleibt dezent im Hintergrund. Der Musiker, der als Erfinder des Alpenrock längst Kultstatus genießt, hatte mit seinem Stil nicht auf Anhieb Erfolg. Der Dokumentarfilm widmet sich hauptsächlich der Spanne zwischen dem Durchbruch im Jahr 1992 und 2011, als das Lied "Brenna tuat's guat" die Spitze der österreichischen Charts erklomm.

Hubert von Goisern erscheint in diesem Porträt als vielseitiger Künstler, der immer wieder neue Wege beschreitet. Aus der Enge der ländlichen Heimat bricht er nicht nur musikalisch aus, indem er einen aufregenden Stilmix mit Ziehharmonika und E-Gitarre wagt, sondern auch räumlich. Er geht auf Reisen, spielt in fernen Ländern mit einheimischen Interpreten. Die Musik ist für ihn, das macht der Film klar, immer auch mit einem persönlichen Abenteuer verbunden, mit einer Live-Erfahrung, die auch schon mal ein spontanes Konzert in einem ärmlichen Wohngebiet in Dakar, Senegal, beinhalten kann.

Der Film bebildert diese unterschiedlichen Stationen mit spannendem Archivmaterial. Auch witzige Fundstücke sind dabei, wie ein sehr früher und eher peinlicher Auftritt in einer Fernsehsendung. Die Familie und das private Umfeld bleiben in diesem Film außen vor. Wenn Hubert von Goisern erzählt, geschieht das auf einem Boot auf dem Hallstätter See. An diesen Ort kehrt der Film immer wieder zurück. Dazwischen begleitet er den Musiker auch auf einzelne Stippvisiten wie zum geliebten Lehrer oder in das Wiener Lokal, in dem er sich den ersten gebuchten Bühnenauftritt nicht zutraute. Es kommen auch - sehr wenige - Wegbegleiter zu Wort, allen voran der langjährige Manager Hage Hein, der auch einer der beiden Produzenten des Films ist.
In Fragen zur Musik stützt sich der Film fast völlig auf das Archivmaterial mit den Konzertausschnitten. Hubert von Goisern selbst wird als sympathische Persönlichkeit vor allem in den kleinen Anekdoten sichtbar, die er erzählt. Aber er will über diese Einblicke hinaus keine öffentliche Person sein. Der Film respektiert diese Zurückhaltung und strebt nicht nach ultimativen Antworten. Einerseits ist das charmant, andererseits aber wirkt das an manchen Stellen, wie der allzu ausufernd geschilderten Schiffstournee, als handele es sich um eine Auftragsarbeit und nicht um einen Film mit einer klaren eigenen Handschrift.

Fazit: Marcus H. Rosenmüllers Dokumentarfilm über den österreichischen Alpenrocker Hubert von Goisern tastet sich vorsichtig an die Person hinter dem Mythos heran und rekapituliert den künstlerischen Weg. Obwohl der Film mit seinem reichen Archivmaterial und den Erinnerungen des Musikers stimmungsvollen Charme entwickelt, hätte die Inszenierung etwas mehr innere Dynamik vertragen können.




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