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Es ist schwer, ein Gott zu sein
Es ist schwer, ein Gott zu sein
© Drop-Out Cinema eG

Kritik: Es ist schwer, ein Gott zu sein (2013)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 5 / 5

Bereits 1989 wurde Arkadi und Boris Strugazkis Roman "Es ist nicht leicht, ein Gott zu sein" gegen den Willen der Schriftsteller vom deutschen Regisseur Peter Fleischmann verfilmt. Fleischmanns Version gilt unter Kritikern als völlig misslungen und trivialisiert die komplexe Buchvorlage zu einem austauschbaren und auf oberflächliche Effekte zielenden Sci-Fi-Streifen. Erst im Jahr 2000 konnte dann endlich eine Produktion unter der Regie von Aleksey German, dem ursprünglichen Wunschregisseur der Brüder Strugazki, begonnen werden. Über einen Zeitraum von sechs Jahren wurde "Es ist schwer, ein Gott zu sein" in der Tschechischen Republik und in Russland gedreht, die Postproduktion sollte weitere fünf Jahre in Anspruch nehmen. German, der zwischenzeitlich verstarb konnte die finale Schnittversion seines letzten Werks nicht mehr anschauen, seine Ehefrau und sein Sohn haben den Film nach seinen Vorgaben vollendet.

"Es ist schwer, ein Gott zu sein" ist ein in jeder Hinsicht überbordender sowie Grenzen überschreitender Film, der nur wenig mit Fleischmanns Verfilmung gemein hat. Mit seinen langen, in Schwarzweiß gedrehten Plansequenzen erinnert er vielmehr an die Filme Béla Tarrs oder auch an Andrei Tarkowskis beunruhigend-meditativen "Stalker" (1979), der ebenfalls auf einem Roman der Strugazkis beruht. Und doch findet German hier einen ganz eigenen Ton und erschafft ein düsteres, abstoßendes Universum, das man so auf der Leinwand noch nicht gesehen hat: Zwischen ewigem Nebel und tiefem Schlamm ragen die letzten Reste eine Zivilisation aus dem Boden, die schon wieder fast vollkommen in der Barbarei versunken ist. Aberglaube und Nihilismus prägen diese mittelalterlich anmutende Welt, in der rohe Gewalt, Dekadenz und ein in jede Ritze dringender Schmutz die einzigen Konstanten sind.

Der moralischen Orientierungslosigkeit entsprechend erweist sich auch die narrative Struktur als verschüttet und ragt nur hin und wieder erkennbar aus dem chaotischen Bildersog. Einen Über- oder gar Durchblick gewährt German dem Publikum zu keinem Augenblick, mit Beginn des Films stecken die Zuschauer wie der irdische Protagonist bereits bis zum Hals im Morast. Ein Außen von dem man herabschauen und noch so etwas wie eine verständliche Geschichte erzählen könnte, gibt es hier nicht, stattdessen lässt der Film nur noch ein Stammeln und Stolpern zu, mühsam kämpft sich die Kamera durch stinkende Menschenkörper, zugemüllte Zimmer und blutige Schlachtfelder . Dass der beinahe drei Stunden dauernde "Es ist schwer, ein Gott zu sein" dennoch nicht verzweifeln lässt und bisweilen sogar richtig Spaß macht, liegt neben der grandiosen Ausstattung sowie einem faszinierenden Leonid Yarmolnik in der Hauptrolle in erster Linie an Aleksey Germans perfektionistischer Regie, die bisweilen sogar etwas Humor durchscheinen lässt.

Fazit: Aleksey Germans letzter Film ist ein ebenso chaotischer wie faszinierender Bildersog, der durch die perfektionistische Regie und eine überbordende Ausstattung überzeugt.




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