oder

The Toxic Avenger (1984)

Atomic Hero

US-Horror-Trash: Ein Unfall mit Giftmüll macht aus einem den Wischmob schwingenden Volltrottel einen zum grotesken Superhelden mutierten gnadenlosen Rächer der Rentner und der Entrechteten.Kritiker-Film-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5
User-Film-Bewertung [?]: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4.0 / 5

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Das vor den Toren von New York gelegene Tramaville ist eine provinzielle Kleinstadt und der bevorzugte Giftmüllabladeplatz der USA. Hier arbeitet der geistig unterbelichtete Nerd Melvin Junko (Mark Torgl) als Putzhilfe im örtlichen Fitnessclub. Das Studio ist ein Treffpunkt für gut gebräunte und muskelbepackte Proleten und für dickbusige und dünnbrettbohrende Blondinen. Kein Wunder das dieses hemmungslos dem Körperkult frönende Volk geistiger Tiefflieger den geistig noch stärker Minderbemittelten mageren Brillenträger Melvin regelmäßig mobbt. Eines Tages treibt der Fitnessstudio-Mob das Mobben des Jungen mit dem Wisch-Mob derart auf die Spitze, dass Melvin in Panik durch einen Sprung aus dem Fenster der bösartigen Meute zu entkommen versucht. Dieser Sprung führt den armen Melvin vom Regen in die Taufe in Gestalt eines mit Giftmüllfässern beladenden Lieferwagens. Der unglückliche Nerd plumpst direkt in eines der Fässer, randvoll mit ekelhaft grünen Glibber. In Folge erleidet Melvin zunächst schlimme Verätzungen und mutiert kurz darauf zu dem hünenhaften, aber extrem verwachsenen Superhelden "Toxic Avenger" (Mitch Cohen). Zunächst nur als "das Monster" tituliert, erweist sich "Toxie" sehr bald als eine herzensgute Seele, die Omas die Marmeladengläser öffnet und Bösewichten den Kopf zermanscht.

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The Toxic Avenger


Filmkritikunterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse4 / 5

Die krude Horror-Komödie "The Toxic Avenger" ist der größte Erfolg und der Vorzeigefilm der New Yorker Trash-Film-Schmiede Troma Entertainment. Nach gewöhnlichen Maßstäben sind die extremen Low-Budget-Machmerke der berüchtigten Independent-Filmproduktionsfirma von allen Ansätzen künstlerischen Anspruchs vollkommen bereinigter Schund. So ist auch der von Troma-Mastermind Lloyd Kaufman als "Tromas Mickey Mouse" bezeichnete "Toxic Avenger" streng genommen von absolut unterirdischer Qualität. Von den dilettantischen Kameraeinstellungen, über die erbärmlichen schauspielerischen Leistungen, den sichtlich billigsten Effekten bis hin zu dem brutal banalem Drehbuch ist "The Toxic Avenger" eigentlich ein mustergültiges Lehrbeispiel dafür, wie man es besser nicht machen sollte.

Doch der für lachhafte 500.000 Dollar heruntergekurbelte Trash-Streifen hat nicht ohne Grund satte 15 Millionen Dollar eingespielt und gilt auch nicht umsonst bis heute als einer der größten Kultfilme der 80er-Jahre. Das beeindruckende Aufgebot an geistig unterbelichteten Muskelmännern, kreischend blöden Blondinen, fettbäuchigen korrupten Politikern und alten Nazi-Polizisten hält der US-amerikanischen Gesellschaft der 80er-Jahre ein erschütterndes Spielbild vor. Wohlgemerkt handelt es sich um ein zur grotesken Fratze verzerrtes Spielbild in dem Zerrspiegel eines Spielkabinetts auf einem Provinz-Jahrmarkt. Aber nicht desto trotz bleiben die real existenten Vorbilder hinter ihren entstellten Abbildern deutlich identifizierbar.

Bemerkenswert ist auch eine in unserer heutigen glattgebügelten Zeit absolut unvorstellbare politische Inkorrektheit. Diese Tage würde wahrscheinlich so ziemlich jede im Film auftretende Person augenblicklich ein Komitee einer sich verunglimpft fühlenden Minder- oder Mehrheit auf den Plan rufen, die "The Toxic Avenger" zumindest in seinem Entstehungsland in kürzester Zeit aus den Lichtspielhäusern verbannen würde. Hinzu treten derbe Späße wie ein Kind, das rein zum Spaß von Roudies überfahren wird. Als es darauf hin noch nicht tot ist, wird noch einmal zurückgesetzt, um die Punktezahl voll zu machen. Und als Melvin unter entsetzlichem Grunzen und Stöhnen im heimischen Badezimmer zu einem widerwärtigen Monster zu mutieren beginnt, freut sich seine Mutter darüber, dass ihr Sohnemann offensichtlich gerade in die Pubertät kommt.

Es gilt eindeutig die Steigerungsformel dumm - strunzdumm - Toxic Avenger! Aber diese Blödheit ist so entwaffnend und zudem mit einer feinen Menschenliebe verrührt, dass "The Toxic Avenger" einen sehr hohen Sympathiefaktor bietet. Besonders der entstellte Mutant selbst wird nicht ohne Grund von seiner Freundin (!) liebevoll "Toxie" genannt. Zu den unter vielen Unglaublichkeiten unglaublichsten Szenen gehören jene, in welcher der krude Fun-Splatter plötzlich die Gefilde einer romantischen Komödie berührt.

Filmemacher wie Peter Jackson, Quentin Tarantino und Takashi Miike zählen "The Toxic Avenger" zu ihren wichtigsten Einflüssen. Es ist dem Nischen-Film-Verleiher Drop-Out-Cinema zu verdanken, dass "The Toxic Avenger" jetzt erneut in die deutschen Kinos gelangt - selbstverständlich ungeschnitten und nicht in der damaligen um 11 Minuten verstümmelten Fassung, die als "The Atomic Hero" bekannt ist.

Fazit: "The Toxic Avenger" ist ein billiger Trash-Spaß voller Sex und Gewalt, die Film gewordene Definition der politischen Inkorrektheit, eine romantische Neuauflage von "Die Schöne und das Biest" und eine ätzende Gesellschaftskritik, der ihre versteckte Intelligenz fast ein wenig peinlich zu sein scheint.




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Land: USA
Jahr: 1984
Genre: Horror
Länge: 91 Minuten
FSK: 18
Kinostart: 02.04.2015
Regie: Michael Herz, Lloyd Kaufman
Darsteller: Andree Maranda als Sara, Mitch Cohen, Jennifer Babtist
Verleih: Drop-Out Cinema eG

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