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Kritik: The Toxic Avenger (1984)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Die krude Horror-Komödie "The Toxic Avenger" ist der größte Erfolg und der Vorzeigefilm der New Yorker Trash-Film-Schmiede Troma Entertainment. Nach gewöhnlichen Maßstäben sind die extremen Low-Budget-Machmerke der berüchtigten Independent-Filmproduktionsfirma von allen Ansätzen künstlerischen Anspruchs vollkommen bereinigter Schund. So ist auch der von Troma-Mastermind Lloyd Kaufman als "Tromas Mickey Mouse" bezeichnete "Toxic Avenger" streng genommen von absolut unterirdischer Qualität. Von den dilettantischen Kameraeinstellungen, über die erbärmlichen schauspielerischen Leistungen, den sichtlich billigsten Effekten bis hin zu dem brutal banalem Drehbuch ist "The Toxic Avenger" eigentlich ein mustergültiges Lehrbeispiel dafür, wie man es besser nicht machen sollte.

Doch der für lachhafte 500.000 Dollar heruntergekurbelte Trash-Streifen hat nicht ohne Grund satte 15 Millionen Dollar eingespielt und gilt auch nicht umsonst bis heute als einer der größten Kultfilme der 80er-Jahre. Das beeindruckende Aufgebot an geistig unterbelichteten Muskelmännern, kreischend blöden Blondinen, fettbäuchigen korrupten Politikern und alten Nazi-Polizisten hält der US-amerikanischen Gesellschaft der 80er-Jahre ein erschütterndes Spielbild vor. Wohlgemerkt handelt es sich um ein zur grotesken Fratze verzerrtes Spielbild in dem Zerrspiegel eines Spielkabinetts auf einem Provinz-Jahrmarkt. Aber nicht desto trotz bleiben die real existenten Vorbilder hinter ihren entstellten Abbildern deutlich identifizierbar.

Bemerkenswert ist auch eine in unserer heutigen glattgebügelten Zeit absolut unvorstellbare politische Inkorrektheit. Diese Tage würde wahrscheinlich so ziemlich jede im Film auftretende Person augenblicklich ein Komitee einer sich verunglimpft fühlenden Minder- oder Mehrheit auf den Plan rufen, die "The Toxic Avenger" zumindest in seinem Entstehungsland in kürzester Zeit aus den Lichtspielhäusern verbannen würde. Hinzu treten derbe Späße wie ein Kind, das rein zum Spaß von Roudies überfahren wird. Als es darauf hin noch nicht tot ist, wird noch einmal zurückgesetzt, um die Punktezahl voll zu machen. Und als Melvin unter entsetzlichem Grunzen und Stöhnen im heimischen Badezimmer zu einem widerwärtigen Monster zu mutieren beginnt, freut sich seine Mutter darüber, dass ihr Sohnemann offensichtlich gerade in die Pubertät kommt.

Es gilt eindeutig die Steigerungsformel dumm - strunzdumm - Toxic Avenger! Aber diese Blödheit ist so entwaffnend und zudem mit einer feinen Menschenliebe verrührt, dass "The Toxic Avenger" einen sehr hohen Sympathiefaktor bietet. Besonders der entstellte Mutant selbst wird nicht ohne Grund von seiner Freundin (!) liebevoll "Toxie" genannt. Zu den unter vielen Unglaublichkeiten unglaublichsten Szenen gehören jene, in welcher der krude Fun-Splatter plötzlich die Gefilde einer romantischen Komödie berührt.

Filmemacher wie Peter Jackson, Quentin Tarantino und Takashi Miike zählen "The Toxic Avenger" zu ihren wichtigsten Einflüssen. Es ist dem Nischen-Film-Verleiher Drop-Out-Cinema zu verdanken, dass "The Toxic Avenger" jetzt erneut in die deutschen Kinos gelangt - selbstverständlich ungeschnitten und nicht in der damaligen um 11 Minuten verstümmelten Fassung, die als "The Atomic Hero" bekannt ist.

Fazit: "The Toxic Avenger" ist ein billiger Trash-Spaß voller Sex und Gewalt, die Film gewordene Definition der politischen Inkorrektheit, eine romantische Neuauflage von "Die Schöne und das Biest" und eine ätzende Gesellschaftskritik, der ihre versteckte Intelligenz fast ein wenig peinlich zu sein scheint.





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