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Aferim!
Aferim!
© Big World Pictures

Kritik: Aferim! (2015)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

"Aferim!" zeigt eine Welt, in der nur rudimentäre Gesetze vorhanden sind, die zudem in der Realität oftmals der Willkür des Rechts des Stärkeren weichen müssen. Der Film zeigt eine innerlich verfaulte Gesellschaft, die in ihrer Barbarei an einen Spätwestern erinnern. Nur sind die beiden Hauptdarsteller weder coltbewehrte Outlaws, noch schießwütige Westernhelden. Viel eher erinnern der bereits leicht abgehalfterte Costandin und sein noch sehr unbedarfter Sohn an Don Quijote und Sancho Panza. Auch sie sind zwei Ritter von recht trauriger Gestalt unterwegs auf einer wenig Erfolg versprechenden Mission.

"Aferim!" bezieht einen großen Teil seines speziellen Reizes aus dem Kontrast zwischen einer sehr kargen Bildebene und der dafür umso überbordenderen Tonebene. Die von der Kamera mit gekonnter Lässigkeit eingefangene Panoramen sind so schlicht, wie der Film handlungsarm. dafür ertönt ein ununterbrochenes Gekrächse und Geschrei, wobei auch hier die Form dem Inhalt entspricht. Die hier präsentierte rumänische Gesellschaft des frühen 19. Jahrhunderts ist noch zutiefst mittelalterlich.

Zigeuner werden nur "Krähen" geschimpft und als Slaven gehalten und verkauft. Frauen gelten als dumm, weshalb es sinnlos sei, sie zu oft zu schlagen, denn sie kapieren sowieso nicht, was der Grund ihrer Züchtigung ist. Ein Priester hat zu jeder europäischen Nation ein passendes Vorurteil, nur die Rumänen selber sind in seinen Augen "duldsam und liebevoll, wie Jesus". - Irgendwann kann selbst der sich zutiefst abgebrüht gebende Costandin nur noch resignierend konstatieren: "Man tut nicht, was man will. Man tut , was man kann." Diese Erkenntnis gilt seinen Sohn. Doch dessen Blick geht nur noch ins Leere. Offensichtlich wähnt er sich hier im falschen Film.

Fazit: "Aferim!" war neben "The Club" einer der bösartigsten Filme im Wettbewerb der 65. Berlinale 2015 und hat dort - nicht unverdient - gemeinsam mit "The Body" den Silbernen Bären für die beste Regie erhalten.




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