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Taxi Teheran
Taxi Teheran
© Weltkino Filmverleih

Kritik: Taxi Teheran (2015)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

"Taxi" ist bereits der dritte Film, den der iranische Filmemacher Jafar Panahi seit Auferlegung eines zwanzigjährigen Berufsverbots in seiner Heimat gedreht hat. Der No-Budget-Film ist eine Miniatur bei der Form und Inhalt die besonderen Umstände ihrer Entstehung reflektieren. Vom islamischen Regime in seinem eigenen Land geächtet, ist diese Fake-Dokumentation Panahis Weg die staatliche Zensur zu umgehen. Aus diesem Grund hält der Filmemacher sich in "Taxi" auch ganz seiner Rolle des durchschnittlichen Taxifahrers entsprechend sehr zurück. Seine Meinung zu ihm wichtigen Themen: Film, Freiheit, gesellschaftliche Widersprüche, staatliche Zensur usw. legt er lieber seinen Fahrgästen in den Mund bzw. zeigt die Absurdität der gegenwärtigen iranischen Wirklichkeit durch pointiert inszenierte sich im Taxi abspielende Episoden auf.

Das Ergebnis ist von seinem Inhalt her sehr unterhaltsam, aber von seiner Gestaltung her äußerst karg. "Taxi" hebt sich optisch keineswegs von anderen bekannten (Fernseh-)Filmen mit versteckter Kamera ab. Sprich: Visuell ist der Film denkbar reizlos, interessant wird er erst durch die Situationskomik der einzelnen Episoden. Eine zweite Ebene kommt durch die Tatsache dazu, dass die einzelnden Szenen zu schön choreografiert sind, um authentisch zu sein. Eine dritte Ebene entsteht durch die die gesellschaftlichen Umstände im Lande - und somit auch die politischen Umstände der Entstehung dieses Films selbst - beleuchtenden Gespräche. "Taxi" feierte nicht nur auf der 65. Berlinale 2015 seine Weltpremiere, sondern erhielt mit dem Goldenen Bären sogar den Hauptpreis des Festivals.

Diese Entscheidung ist durchaus diskussionswürdig. Sie zeigt eindeutig, dass die internationale Jury unter Führung von Darren Aronofsky ("Black Swan") an dieser Stelle mehr nach politischen, als nach künstlerischen Gesichtspunkten entschieden hat. Das passt auf der einen Seite zu einem Festival, das sich immer wieder durch den politischen Gehalt der gezeigten Filme im Vergleich zu anderen A-Festivals zu profilieren versucht. Die Frage ist nur, ob es wirklich sinnvoll ist eine politisch korrekte Botschaft über den rein künstlerischen Wert eines Films zu stellen, wenn man einen Filmpreis vergibt. Als ein abschreckendes Beispiel mag die Oscarverleihung dienen. Dort hat ein deutscher Film bekanntermaßen bereits den halben Weg zum Erhalt der begehrten Trophäe zurückgelegt, wenn er nur von der Unterdrückung während der NS-Diktatur oder DDR-Zeit handelt.

Fazit: "Taxi" ist eine äußerst wagemutige, aufschlussreiche und unterhaltsame Fake-Doku. Aber ob der Film auch unabhängig von den Umständen seiner Entstehung als große Kunst gelten kann sei einmal dahingestellt...





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