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Big Father, Small Father and Other Stories
Big Father, Small Father and Other Stories

Kritik: Big Father, Small Father and Other Stories (2015)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 5 / 5

Das asiatische Kino ist schon lange kein Geheimtipp mehr. Viele der aufregendsten Filme kommen seit weit über einem Jahrzehnt nicht mehr aus den USA oder aus Frankreich, sondern aus Japan und aus Korea. Neu ist hingegen, dass in den letzten Jahren auch vermehrt asiatische Länder in den Fokus rücken, die zuvor weniger präsent auf der Karte des Weltkinos waren. So offenbarte sich auf der 64 Berlinale 2014 China als ein Filmland, mit dem man in Zukunft unbedingt rechnen muss. Der herausragende chinesische Neo-Noir "Feuerwerk am helllichten Tage" gewann sogar hochverdient den Goldenen Bären. Der Film besitzt eine ganze Reihe außergewöhnlicher Qualitäten, von denen sich viele ebenfalls in dem diesjährigen vietnamesischen Wettbewerbsbeitrag mit dem internationalen Titel "Big Father, Small Father and Other Stories" finden.

Dieses ungewöhnliche Drama von Phan Dang Di besticht zunächst durch seine hohe atmosphärische Dichte, seine lebennahen Charaktere und durch das gelungene Einfangen der Besonderheit verschiedener Orte: Ein Schlafzimmer in einer Wellblechhütte, wo man direkt vom Bett aus in den Fluss steigen kann. Eine nächtliche Halbwelt, bei der sich eine schmuddelige Verkommenheit mit der Faszination in schönen Farben funkelnder Lichter verbindet. Eine urwüchsige Natur, die als eine bildgewordene Verkörperung einer reinen, ungebrochenen Lebenskraft erscheint. Oft sind es auch nur einzelne locker in die Handlung eingestreute und zugleich perfekt komponierte Standbilder, welche wie Schnappschüsse, bestimmte magische Momente festhalten.

Es ist die zunächst unterschwellige, jedoch immer offenbarer werdenden Magie, die sich wie ein roter, atmosphärischer Faden - einer Lebensader gleich - durch den ganzen Film schlängelt. Eigentlich zeigt sich hier ein recht bedrückendes gesellschaftliches Szenario. Die Helden leben in sehr prekären finanziellen Verhältnissen. Mehr als einer macht falsche Angaben, um sich sterilisieren lassen zu können, um dafür eine geringfügige staatliche Prämie einzustreichen. Aber trotz dieser eigentlich traurigen Lage, sind die Protagonisten keineswegs verzweifelt, sondern akzeptieren die Dinge als Teile ihres Lebens. Und dieses Leben wissen sie in vollen Zügen zu genießen. Problematischer erscheint schon eher ein Thema, wie Homosexualität, das niemals offen angesprochen werden darf. Aber irgendwie geht es immer weiter. Irgendwie kämpft sich das Leben seine Bahn.

Fazit: Das hochatmosphärische vietnamesisches Drama gehörte zu den stärksten Wettbewerbsbeiträgen der 65. Berlinale 2015, ging jedoch leider trotzdem leer aus.




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