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Familienbande
Familienbande
© Pandora Film

Kritik: Familienbande (2015)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Irische Filme ähneln häufig der Landschaft, in der sie spielen. "Familienbande" ist in den Midlands angesiedelt, jener von der industriellen Revolution vergessenen Region zwischen Dublin und der Westküste, die bis heute hauptsächlich von Holz und Torf lebt. Hier dominieren Grau- und Brauntöne die Grüne Insel – an der Oberfläche und tief im Innern der Bewohner. Es ist ein rauer Landstrich voll rauer Charaktere, in dem "Familienbande" eine melancholische Geschichte entfaltet, die leise von Abschied, Aufbruch und Hoffnung erzählt.

Will (Aidan Gillen) und dessen Nichte Stacey (Lauren Kinsella) sind zwei Fremde, die sich einander misstrauisch, aber liebevoll nähern. Das braucht viel Zeit, die Drehbuchautor und Regisseur Mark Noonan seinen Figuren großzügig gewährt. Seine Inszenierung ist getragen, lässt bewusst Leerstellen, um auf die (psychischen) Verwundungen seiner Protagonisten zu verweisen. Kameramann Tom Comerford fängt dieses zaghafte Abtasten in entsättigten Farben mit viel natürlichem Licht ein. Mit ruhiger, beinahe dokumentarischer Handkamera rückt er ganz nah an die Darsteller heran, lässt das Publikum die Präsenz des technischen Apparats vergessen.

Das verleiht dem Film eine Leichtigkeit, die im Zusammenspiel der Protagonisten aufgeht. Aidan Gillen ("Game of Thrones") und Anfängerin Lauren Kinsella ergänzen sich wunderbar. Besonders Kinsella begeistert mit ihrer Mischung aus Trotz, Verletzlichkeit und Abgeklärtheit. Mehr als einmal muss das junge Mädchen für ihren Onkel den Aufpasser spielen. Bei Noonan sind die Erwachsenen stets ein wenig kindisch und die Kinder etwas zu erwachsen für ihr Alter.

Thematisch wie formal erinnert "Familienbande" stark an das sozialkritische Kino der Brüder Jean-Pierre und Luc Dardenne, die Noonan als eine seiner Inspirationsquellen angegeben hat. Auch Noonan erzählt völlig unaufgeregt aus dem Leben einfacher Menschen. Es sind kleine Alltagsprobleme, die in prekären Verhältnissen schnell zu existenziellen werden. An die emotionale Wucht der Belgier reicht der Ire noch nicht heran. Stattdessen setzt er auf Humor, der den Film trotz aller Schwere an den entscheidenden Stellen auflockert. Es ist ein trockener, für sensible Gemüter vielleicht etwas zu rauer Humor – ganz wie die Landschaft der Midlands.

Fazit: Mark Noonans Regiedebüt ist eine kleine Familiengeschichte mit Herz und Humor. Die Chemie zwischen den Hauptdarstellern Aidan Gillen und Lauren Kinsella stimmt. Das gemächliche Erzähltempo und die entsättigten Bilder machen "Familienbande" zu einem stillen, melancholischen Film. An die emotionale Wucht seiner Vorbilder reicht Noonan jedoch noch nicht ganz heran.





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