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Kritik: 4 Könige (2015)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Das Spielfilmdebüt der Regisseurin Theresa von Eltz, für das sie gemeinsam mit Esther Bernstorff das Drehbuch verfasst hat, führt zwei Themen zusammen, die nichts miteinander zu tun haben. Über Jugendliche in der Psychiatrie gäbe es genug spannende, aufwühlende Geschichten auch ohne jeglichen Bezug zum Weihnachtsfest zu erzählen. So aber schwebt über der ganzen Geschichte immer eine Überdosis Mitleid: Die vier jungen Hauptfiguren sind nicht deswegen arm dran, weil sie in der Klinik sind, sondern weil gleichzeitig draußen Weihnachten, das Fest der Liebe und der glücklichen Familien, gefeiert wird! Erstaunlicherweise aber gelingt es dem Drama und seinen Darstellern trotz dieser unglücklichen Gegenüberstellung, den Zuschauer emotional zu fesseln.

Dabei passiert sehr lange sehr wenig in dieser Geschichte: In der Klinik macht sich die Feiertagsruhe bemerkbar, viele Patienten gehen heim, der Betrieb läuft für die Übriggebliebenen auf Sparflamme. Lara, Alex, Fedja und Timo irren wie verloren durch die Gänge, langweilen sich im Stuhlkreis der Gruppentherapie, scheinen auf etwas Unbestimmtes zu warten. Dr. Wolff behandelt sie alle mit Respekt, aber anscheinend ohne ein festes Programm. Mal geht er mit Alex in den Wald, damit sie ihre Wut auf die Mutter herausschreit, mal verblüfft er Timo damit, dass er ihm erlaubt, unbeaufsichtigt das Gelände zu verlassen, um zu joggen. Als aber Fedja in Panik gerät, ist er nicht da. Die Jugendlichen sind alle ganz verschiedene Menschen und ihre inneren Konflikte bleiben mehr oder weniger unklar – was die Neugier des Zuschauers umso mehr schürt. Es entsteht ein Freiraum, in dem sich eine interessante Gruppendynamik entwickelt und die Gefühle Neuland betreten.

Alle vier Darsteller wirken sehr authentisch und überzeugend, auch wenn ihnen die Regie so viel bedeutungsschwangeres Schweigen auferlegt. Dieses bestimmt das Tempo und den Stil der Geschichte so stark, dass sie einen eigentümlich künstlichen Charakter bekommt. Die Person des guten, engagierten Arztes ist ebenfalls recht interessant: Er scheint auch einsam zu sein und kein besseres Zuhause zu haben als die Klinik. Einiges von dem, was er sagt, ist jedoch weniger originell, als floskelhaft. Und dass er sich die Feindschaft von Simone, einer Art Schwester Ratched, zuzieht, spielt auf eher peinliche Weise auf den Psychiatrie-Klassiker "Einer flog über das Kuckucksnest" an. Trotz einiger Fehlgriffe muss der Film auch etwas richtig gemacht haben, denn diese vier Jugendlichen im Ausnahmezustand und ihre widerstreitenden, zwischen Angst und Hoffnung schwankenden Gefühle gehen einem noch lange nach.

Fazit: Stärken und Schwächen liegen im Debütfilm der Regisseurin Theresa von Eltz eng beieinander. Die aufs Emotionale abzielende Kontrastierung der Themen Jugendliche in der Psychiatrie und Weihnachten wirkt aufgesetzt, aber das in einem merkwürdigen Schwebezustand verharrende Drama und die guten schauspielerischen Leistungen bauen eine intensive, fesselnde Atmosphäre auf.




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