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Señor Kaplan - Ein Rentner räumt auf (2015)

Mr. Kaplan

Tragikomödie: Ein Rentner in Uruguay glaubt, einem untergetauchten Nazi auf der Spur zu sein – und schmiedet einen Entführungsplan.Kritiker-Film-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5
User-Film-Bewertung [?]: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4.0 / 5

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Montevideo, 1997: Der 76-jährige Jacob Kaplan (Héctor Noguera) ist seit 50 Jahren mit Rebeca (Nidia Telles) verheiratet; er hat zwei Söhne und eine Enkeltochter (Nuria Fló). Dennoch ist er mit seiner Situation unzufrieden – denn er hat in seinem Leben noch keine echte Heldentat vollbracht. Als in einem Fernsehbeitrag berichtet wird, ein geflohener Nazi lebe seit langer Zeit unter falscher Identität an der Küste Uruguays, ist Señor Kaplan bald der Überzeugung, den betreffenden Mann ausfindig gemacht zu haben. Gemeinsam mit dem ehemaligen Polizisten Wilson (Néstor Guzzini), den die Kaplan-Familie als Fahrer für den sehschwachen, neuerdings führerscheinlosen Rentner organisiert hat, legt er sich am Strand auf die Lauer, wo der Verdächtige Julius Reich (Rolf Becker) eine Bar betreibt. Señor Kaplan will den Mann entführen, um ihn den israelischen Behörden zu übergeben.

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Filmkritikunterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse4 / 5

Das uruguayische Werk "Señor Kaplan" ist der zweite Langfilm des Regisseurs und Drehbuchautors Álvaro Brechner. Die Geschichte beginnt als Rentner-Dramödie über die Frustration des titelgebenden Protagonisten. Die schwere Sinnkrise, in der Jacob Kaplan sich befindet, wird hier durch eine Reihe von Vergleichen pointiert aufgezeigt: Im Gegensatz etwa zu Johann Wolfgang von Goethe oder Sir Winston Churchill hat Señor Kaplan bisher – im hohen Alter von 76 Jahren – nicht allzu viel erreicht. Auch visuell wird dieses Minderwertigkeitsgefühl der Hauptfigur gekonnt vermittelt: Als Jacob Kaplan mit seiner Gattin Rebeca zu einem schicken Hochzeitsempfang erscheint, müssen die beiden feststellen, dass sie bei der Planung vergessen wurden – weshalb sie wenig später äußerst beengt an einem Tisch sitzen, an welchem ganz offensichtlich kein Platz für sie vorgesehen war. Die Festlichkeit endet für das Ehepaar im völligen Chaos, nachdem der Nichtschwimmer Jacob in den Swimmingpool gesprungen ist und von seiner verzweifelten Frau gerettet werden muss. Die Höchstwerte auf der Peinlichkeits-Skala werden schließlich erreicht, als die Kaplans beim raschen Fluchtversuch vor aller Augen ein parkendes Auto rammen.

Das erste Drittel des in sommerliche Bilder gefassten Films lebt von Héctor Nogueras tragikomischer Performance, die mal auf amüsante Weise grummelig, mal erschreckend verbittert anmutet. Der Ärger über die Tücken des Alterns erhält ein interessantes Gesicht; überdies ist das Zusammenspiel mit Nidia Telles bei allem Slapstick sehr anrührend. Von Telles hätte man im weiteren Verlauf der Geschichte durchaus gern noch mehr gesehen.

Mit dem Beginn der Betätigung Jacobs als Amateurdetektiv wandelt sich "Señor Kaplan" zum buddy movie. Auch hier gelingt die Balance zwischen Spaß und Ernst weitgehend. Sowohl der Titelheld als auch dessen sidekick – der phlegmatische Ex-Cop Wilson – haben einen leidvollen Hintergrund. Jacobs backstory lehnt sich an die Biografie von Brechners Großvater an – eines polnischen Emigranten. Die beiden Männer werden nie zu Witzfiguren, wiewohl sie sich bei ihrer Observation und Recherche zuweilen reichlich tölpelhaft gebärden. Néstor Guzzini tritt in seiner Rolle als Wilson letztlich gewissermaßen als Fleischwerdung des Sprichwortes "Beurteile ein Buch nicht nach seinem Umschlag" auf. Gegen Ende hält eine Krimi-Dramatik Einzug in den Film; ein Western-artiger showdown führt zum finalen twist. Solcherlei Spielereien hätten aufgesetzt wirken können – funktionieren dank der erzählerischen und inszenatorischen Ausgewogenheit aber erstaunlich gut.

Fazit: Álvaro Brechner ist die Gratwanderung zwischen Comedy und Charakterstudie geglückt. Der Hauptdarsteller Héctor Noguera verkörpert den Titelpart vielschichtig; die Chemie zwischen ihm und seinen Co-Stars Nidia Telles und Néstor Guzzini stimmt.




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Land: Uruguay
Jahr: 2015
Genre: Komödie
Länge: 98 Minuten
FSK: 0
Kinostart: 16.07.2015
Regie: Alvaro Brechner
Darsteller: Héctor Noguera als Jacobo, Néstor Guzzini als Contreras, Rolf Becker als The German
Verleih: Neue Visionen

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