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Kritik: Ich seh, Ich seh (2014)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Der österreichische Psychothriller "Ich sehe, ich seh" ist das Spielfilmdebüt von Veronika Franz und Severin Fiala. Franz ist die Lebensgefährtin des österreichischen Regisseurs Ulrich Seidel und hat zu den meisten Filmen Seidels die Drehbücher verfasst. Eine weitere Verbindung ergibt sich durch den Kameramann Martin Gschlacht. Der war zuletzt für die Cinematografie in Seidls Dokumentarfilm "Im Keller" verantwortlich. In "Ich seh, ich seh" hat Gschlachts präzise Kameraarbeit einen wesentlichen Anteil an der Erschaffung einer Atmosphäre emotionaler Unterkühltheit.

Zu dieser kühlen Stimmung trägt auch das Setting in einer kahlen, gänzlich rational entworfenen modernistischen Villa bei. Die Kühle wird zusätzlich durch den Kontrast des Gebäudes mit den umgebenden Wiesen und Wäldern verstärkt. Bis auf die Räume, in denen sich bevorzugt die Kinder aufhalten, hat dieses Haus nur sehr wenig Wohnliches an sich. In Verbindung mit der Erscheinung der bandagierten und ihre Ruhe einfordernden Mutter wirken diese Räume in ihrer kalten Sterilität fast wie die eines Krankenhauses. So spiegelt sich die Entfremdung der Mutter und der Kinder bereits rein äußerlich.

Aber auch Elias und Lukas haben etwas leicht Unheimliches an sich. Statt Goldfische oder einer Schildkröte besitzen die beiden Jungen eine Vitrine voller gewaltiger ekelhafter Käfer. Die zunehmend drastischen Maßnahmen, mit den die Mutter ihre Autorität durchzusetzen versucht und die keineswegs minder radikalen Schritte der Kinder bei dem Versuch das Rätsel um die Identität der Mutter zu lösen tauchen den Zuschauer in ein Wechselbad der Gefühle, bei dem Sympathien schwer zu verteilen sind. "Ich seh, ich seh" bietet auch eine Reihe recht drastischer Bilder. Aber die wahre Perfidität des Films besteht darin, dass bis kurz vor Schluss nicht klar ist, was hier wirklich gespielt wird. Deshalb bleibt es ebenfalls unklar, welche Maßnahmen möglicherweise gerechtfertigt sein könnten und welche nicht.

Fazit: "Ich seh, ich seh" ist ein emotional unterkühlter Psychothriller mit Horrorelementen aus Österreich. Der Film ist formal beachtenswert und sorgt mit seinem doppelbödigen Spiel um Wirklichkeit, Wahrnehmung und Identität bis zum Ende für ein Höchstmaß an Spannung - bei zum Teil deutlich erhöhtem Härtegrad...




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