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Genauso anders wie ich
Genauso anders wie ich
© Paramount Pictures Germany

Kritik: Genauso anders wie ich (2016)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 2 / 5

Das Spielfilmdebüt des amerikanischen Regisseurs Michael Carney basiert auf einer wahren Geschichte, die bereits in dem gleichnamigen Bestseller von Ron Hall, Denver Moore und Lynn Vincent aus dem Jahr 2006 erzählt wurde. Das privilegierte, reiche weiße Ehepaar Hall hilft eigenhändig in einer Wohlfahrtseinrichtung mit, die Essen an Obdachlose ausgibt. Es sorgt dafür, dass die Station zu einem angenehmen Aufenthaltsort wird. Dabei freundet sich das Paar mit einem afroamerikanischen Besucher an, der von Weißen zunächst aufgrund seiner Erfahrungen wenig Gutes erwartet.

Denver Moore unterstützt das Ehepaar in seinem Engagement und steht ihm menschlich zur Seite während Deborah Halls Krankheit. Ron Hall und Denver Moore, der 2012 starb, sammelten gemeinsam über 80 Millionen Dollar für die Obdachlosenhilfe. So steht auch dieser Spielfilm selbst gewissermaßen im Dienst der guten Sache, von der er erzählt, und will die Protagonisten so vorteilhaft wie möglich porträtieren.

Bekanntlich aber kommt selten eine spannende oder unterhaltsame Geschichte heraus, wenn es ihre Autoren zu gut meinen. Weil diese hier auch von Bekehrung handelt und der Kraft des Glaubens, will sie den Charakteren am liebsten einen Glorienschein verpassen. Besonders Deborah Hall ist davon betroffen. Renée Zellweger gibt der sanftmütigen Frau etwas Ätherisches, Engelhaftes, das nicht mehr ganz von dieser Welt ist. Natürlich ist es schön, wie sie den im Wald campierenden Denver zum Schlafen in ihr Haus einlädt und ihm Frühstück serviert, aber in ihrem Verhalten, ihren Worten scheint eben auch gönnerhafte Mildtätigkeit durch.

Denver wiederum ergeht sich in Dankbarkeit, weil ihn Deborah und Ron trotz seiner Jahre im Gefängnis nicht als bösen Menschen betrachten und ihm vertrauen. Djimon Hounsou spricht in sehr feierlichem, getragenem Tonfall, der auch die Bildungsferne seines der Welt entfremdeten Charakters demonstriert. Greg Kinnear sorgt als Ron für ein realistisch nüchternes Gegengewicht zu diesen seelenvollen Figuren.

Aber die Krankheit der Ehefrau lässt Ron bald wenig Spielraum, um vom Pfad der Tränen abzuweichen. Der Film trägt oft viel zu dick auf und scheint den Kitsch eher zu suchen, als meiden zu wollen. Er stellt auch nie die Frage, ob der Appell an die Nächstenliebe nicht auch mit der politischen Forderung nach einem besseren sozialen Netz verbunden sein müsste.

Fazit: Wie in der gleichnamigen autobiografischen Buchvorlage erzählt das Drama von der Freundschaft des reichen weißen Ehepaars Hall mit dem afroamerikanischen Obdachlosen Denver Moore. Der Film stellt seine Charaktere als vorbildliche Christen dar und ehrt besonders die in der Wohlfahrt bis zu ihrem Tod so engagierte Deborah Hall. Aber gerade weil er es so gut meint und aufzeigen will, wie viel individuelle Nächstenliebe bewirken kann, verkitscht der Film sein Thema leider auch hemmungslos.





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