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Kritik: Ein Mann namens Ove (2016)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Wenn man dem Kino glaubt, dann ist in Schweden mit alten Männern generell schlecht Kirschen essen. Dies erscheint umso bedrohlicher, als die knorrigen alten Herrn sich offensichtlich hartnäckig weigern, sich auf das ihnen zugedachte Altenteil zurück zu ziehen. So sah man in "Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand" (2013) einen Opi, der lieber Bomben bastelte und die Welt bereiste, als im Altersheim zu versauern. Da ist Ove aus dem neuen Film von Hannes Holm ungleich passiver, aber deshalb nicht weniger anstrengend für seine Mitbürger: Er will nur seine Ruhe haben, aber heutzutage kann man sich ja nicht einmal ungestört erhängen! Und selbst wenn man es dann doch einmal schafft, versagt der "universell einsetzbare" Strick aus dem örtlichen Baumarkt. Ove ist die ultimative Verkörperung des mürrischen Alten, der auf die Einhaltung der Ordnung pocht und der permanent schimpft, dass früher alles besser war.

Umso überraschender ist, dass dieser pedantische Antipath auch noch eine äußerst sanfte Seite besitzt. Diese zeigt sich bevorzugt bei seinen täglichen Besuchen am Grab seiner innig geliebten verstorbenen Frau. Spätestens, wenn Ove sich neben das Grab auf den Boden Rasen legt und seinen Arm ausstreckt, als wolle er Sonja noch nach dem Tode halten, versteht man, dass Ove sich schlicht sehr einsam und hilflos fühlt. Rolf Lassgård gelingt es ausgezeichnet diese beiden so unterschiedlichen Seiten des Protagonisten in "Ein Mann namens Ove" zu verkörpern. Dabei hat diese Polarität nichts Aufgesetztes, sondern fügt sich organisch zu einer stimmigen Gesamtpersönlichkeit zusammen. Dieser Ove ist kein Dr. Jekyll und Mr. Hyde über den man staunt oder sich amüsiert, sondern ein ganz normaler Mensch mit seinen guten und schlechten Seiten, mit dem man immer mehr mitfühlt. Dies erhebt "Ein Mann namens Ove" weit über den grotesken Klamauk einer Komödie vom Kaliber "Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand". Der Film wandelt sich auf so sanfte, wie überzeugende Weise zusammen mit seinem Hauptdarsteller von einer zynischen Komödie zu einem berührenden Drama.

Fazit: "Ein Mann namens Ove" ist mehr, als nur eine gelungene Komödie: Der schwedische Film ist großes Gefühlskino, bei dem einem warm ums Herz wird.





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