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Kritik: Tschick (2016)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 5 / 5

Vor 16 Jahren gelang dem 2013 verstorbenen Schriftsteller Wolfgang Herrndorf mit dem Bildungsroman "Tschick" der große Durchbruch. Inspiriert von den Lieblingslektüren seiner eigenen Jugend, wie "Huckleberry Finn", erzählte Herrndorf ebenso realistisch wie abenteuerlich von einem Roadtrip durch den Osten der Bundesrepublik. Großartige Figuren, lebensnahe Dialoge und stilistische Finesse sorgten nicht nur für euphorische Kritiken sowie zahlreiche begeisterte Leser, sondern machten "Tschick" schließlich sogar zur offiziellen Schullektüre.

Die Kino-Adaption unter der Regie von Fatih Akin ("Soul Kitchen", 2009) orientiert sich nun eng an der berühmten Vorlage und findet zugleich einen eigenen, filmischen Umgang mit dem Stoff. Wie auch schon Herrndorfs Roman gelingt es dem Film, nah an seinen jugendlichen Figuren zu bleiben und diese trotz aller Überspitzungen realistisch darzustellen. Akins Blick auf seine jungen Helden ist weder anbiedernd noch von oben herab, sondern stets auf Augenhöhe.

Hiervon profitieren besonders die beiden Hauptdarsteller Tristan Göbel ("Rico, Oscar und die Tieferschatten", 2014) und Anand Batbileg, die das ungleiche Gespann Maik und Tschick für die große Leinwand zum Leben erwecken. Sowohl in komischen als auch in nachdenklichen Momenten können die jungen Darsteller überzeugen und werden dabei von einem durchweg gut besetzten Cast unterstützt.

Akin leistet mit seiner Verfilmung allerdings weit mehr als lediglich eine gelungene, stark gespielte Bebilderung von Herrndorfs Roman: Seine Version von "Tschick" profitiert nämlich von einer mitreißenden Energie, wie sie so wohl nur das Kino bieten kann. Wunderbare Bilder, rasante Action sowie ein stimmiger Soundtrack lassen die Geschichte von Maik und Tschick noch einmal auf ganz neue Weise erfahrbar werden. Einen schöneren Coming-of-Age-Film aus Deutschland wird man in diesem Jahr wohl nicht mehr zu Gesicht bekommen.

Fazit: Fatih Akin schafft es mit seiner Adaption von "Tschick", perfekt den Geist der literarischen Vorlage einzufangen. Wie schon Wolfgang Herrndorfs Roman lebt der Coming-of-Age-Film von seinen lebensnahen Figuren sowie den starken Dialogen und bietet darüber hinaus eine mitreißende Erfahrung, wie sie wohl nur im Kino möglich ist.




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