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Kritik: Männertag (2016)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

"Männertag" ist der neue Film von Holger Haase, der in den letzten Jahren seine Vielseitigkeit sowohl im Bereich Kino als auch TV unter Beweis stellte. Nachdem er in den späten 00er-Jahren Erfolge als Serien-Regisseur feierte ("Alarm für Cobra 11", "Doctor’s Diary"), konnte er mit "Da geht noch was" (2012), mit Florian David Fitz in der Hauptrolle, im Komödienfach überzeugen. Die beiden Drehbuchautoren von "Männertag", Ilja Haller und Philip Voges, hatten u.a. bereits bei "Wo ist Fred?" (2006), der romantischen Komödie mit Til Schweiger, erfolgreich zusammengearbeitet. Gedreht wurde "Männertag" im u.a. im oberfränkischen Ort Münchberg, der als Tor in das nördliche Fichtelgebirge gilt.

Wenn man ohne große Erwartungen an den Film herangeht und ihn als das annimmt, was er ist – eine streng auf Massenkompatibilität ausgelegte, derbe Brachial-Komödie für Männer, die nicht erwachsen werden wollen – erlebt man hier 90 extrem unterhaltsame Minuten. Wer an Party-Filmen wie "Project X" oder "Bad Neighbors" seine Freude hatte, der wird daher auch hier auf seine Kosten kommen. Dabei frönen nicht nur die vier Freunde dem Alkohol in ausschweifendster Form, auch Regisseur Haase zelebriert den Alkoholkonsum regelrecht, und zwar mit Hilfe seiner Bildsprache: da wird mit Unmengen Bier und Wein angestoßen, lüstern aus Eimern gesoffen und sich gegenseitig bespuckt – und das alles präsentiert in eleganten Zeitlupenbildern, als würde man einer anspruchsvollen Kunst-Performance beiwohnen. In der letzten halben Stunde wird der Film dann deutlich ruhiger und Regisseur Haase nimmt sich in Sachen Haudrauf- und Sauf-Humor zurück.

Daneben kann der Film mit witzigen Einfällen und tatsächlich hin und wieder extrem komischen (Slapstick-) Einlagen punkten. So z.B. die Art und Weise, wie Dieter aus dem Leben scheidet (auch hier spielt – natürlich – der Alkohol eine wesentliche Rolle) oder das zum Overacting tendierende, überkandidelte aber dennoch amüsante Ritter- und Schlachten-Gebaren von Erzfeind Andi Mauz. Allein die Frisur von Hannes Jaenicke in dieser Rolle ist zum Schreien. Die Darsteller agieren allesamt mit viel (Trink-) und Spielfreude und ordentlich Körpereinsatz, einen Darsteller-Filmpreis für besonders vielschichtige, hochemotionale Darbietungen gibt es für diese Art von Film ohnehin nicht. Besonders gut gefällt Tom Beck als – nicht nur dem Alkohol sondern auch den harten Drogen verfallener – Möchtegern-Starschauspieler, der Paul so manchen Flachlege-Tipp und Ratschlag im Umgang mit Frauen gibt. Geschmackssache sind indessen seine schwulen- und frauenfeundlichen Witze, unter denen vor allem Peter und Andrea leiden und die leider auch nicht immer ins Schwarze treffen.

Einen schönen Kontrast zum männertypischen Saufgelage bildet "Anstandsdame" Andrea aber dann doch, die eigentlich schon zu Beginn genug von den Männern hat, ohne zu ahnen, was ihr da alles noch so bevorsteht – von meterweiten "Stunts" mit dem Bierbike bis hin zu regelrechten Gladiatoren-Kämpfen der verfeindeten Männergruppen im Regen und Schlamm. Ab und an wird die Grenze des guten Geschmacks allerdings deutlich überschritten, z.B. in einem Dixi-Klo wenn es – wen wundert’s – schon sehr rustikal in den Bereich Fäkal- und Fremdschäm-Humor geht.

Fazit: Derber, teils arg geschmackloser, aber dennoch gut unterhaltender und immer wieder extrem komischer Sauf-Trip für Männer, die nicht erwachsen werden wollen. Ein grobschlächtiger, brachial-humoriger Party-Film, den man nicht zu ernst nehmen darf, um seinen Spaß zu haben.




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