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Kritik: Wie Brüder im Wind (2015)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Eine spannende Freundschaft zwischen einem Jungen und einem Adler steht im Mittelpunkt dieses ungewöhnlichen Dramas, das mit atemberaubenden Naturaufnahmen aufwartet. Die Regie teilten sich der österreichische Naturfilmer Otmar Penker, ein Spezialist für die Tierwelt der Alpen, und der spanische Filmemacher Gerardo Olivares, der 2010 mit "Wolfsbrüder", einem ähnlich naturnahen Spielfilm, Aufsehen erregte. Die wilden Greifvögel und ihr Lebensraum werden mit dokumentarisch anmutender Authentizität vorgestellt, aber die Rolle des Adlers Abel ist fiktional wie die des Jungen Lukas. Die in den 1960er Jahren angesiedelte Geschichte bewegt und schafft es zugleich, ihr Publikum für den Naturraum der Alpen und seine Bewohner zu begeistern.

Der gutherzige Förster Danzer, dem das Schicksal des traurigen Jungen nahegeht, übernimmt auch die wichtige Rolle des Erzählers. So erfährt man einiges mehr über den schweigsamen Jungen und außerdem die Vorgeschichte des Adlers vom Tag an, als er aus dem Ei schlüpfte. Das fiepende kleine Wesen, das nach dem Sturz aus dem Nest auf dem Waldboden kauert, weckt mühelos Gefühle und auch fortan glaubt man dem Adler ohne weiteres die Rolle, die ihm an Lukas' Seite angedichtet wird. Die Figur des Jungen, dem die Freundschaft mit dem Vogel aus der inneren Isolation hilft, bietet ein Wiedersehen mit Manuel Camacho aus "Wolfsbrüder". Der Schauspieler ist inzwischen gewachsen, verfügt aber immer noch über kindliche Natürlichkeit. Seine starke Leinwandpräsenz kombiniert er mit laienhafter Scheu. Jean Renos Rolle des väterlichen Freundes und seine ernste Voice-Over-Erzählung schlagen eine versöhnliche Brücke zur rauen Wirklichkeit, in der sowohl Lukas, als auch der Adler schwierige Prüfungen zu bestehen haben. Tobias Moretti überzeugt wiederum als Mann, der sich hinter einem Panzer aus Verbitterung verschanzt.

Die Bergwelt im Wechsel der Jahreszeiten und ihre Tiere wie Auerhahn, Fuchs und Gämse bieten eindrucksvolle Motive. Vor allem aber gelingen dem Film ausführliche und spektakuläre Aufnahmen der Adler im Flug und in freier Wildbahn. Die Tiere, die aus einer Falknerei stammen, werden dabei aus nächster Nähe beobachtet, zum Beispiel mit einer an ihnen befestigten Minikamera. Den König der Lüfte sieht man sonst nicht oft als Küken mit weißem Flaum oder bei mühsamen und zuweilen erfolglosen Jagdversuchen in eisiger Winterlandschaft. Die sensationellen Tieraufnahmen und der beseelte Ernst dieser doppelten Coming-of-Age-Geschichte verbinden sich zu einem außergewöhnlichen Filmerlebnis.

Fazit: Die Freundschaft eines Jungen mit einem Adler in der rauen Bergwelt der Alpen wird als spannendes Coming-of-Age-Drama erzählt, das zugleich Wissen über die Vogelart vermittelt. Die atemberaubenden Tieraufnahmen und der emotionale Ernst der Geschichte ergeben eine spannende Mischung, die auf ganz neue Weise Sympathien für den König der Lüfte weckt.




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