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A Perfect Day
A Perfect Day
© Mediapro © Reposado Producciones

Kritik: A Perfect Day (2015)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Der spanische Regisseur Fernando León de Aranoa hat eine bittere Satire über humanitäre Helfer gedreht, die bei ihrem Einsatz in einer Bergregion im Bosnienkrieg ständig an ihre Grenzen stoßen. Der ungeschminkte Blick auf die Absurditäten ihrer Mission ist durchtränkt vom schwarzen, zynischen Humor, mit dem die Charaktere ihre Hilflosigkeit gegenüber dem Schrecklichen zu meistern versuchen. Das Drehbuch basiert auf dem Roman "Dejarse Llover" von Paula Farias, einer spanischen Medizinerin, die selbst mit "Ärzte ohne Grenzen" in Krisengebieten unterwegs war. Auf Englisch gedreht, begleitet der Film den Helfer Mambrú und seine kleine Gruppe im Laufe eines Tages, an dem sie wie Gefangene in einem Labyrinth kreuz und quer durch die Berge fahren.

Der Brunnen gibt die Leiche nicht frei, die wiederholt von Mambrú und seinem Team halb heraufgezogen wird und dann wieder ins Wasser zurückplumpst. Schon allein dieses Bild eines menschlichen Körpers, der wie Ballast oder Abfall behandelt wird, symbolisiert die Schrecken dieses Krieges, in denen Nachbarn zu Todfeinden wurden. Die Verrohung ist allgegenwärtig und stößt die Helfer immer wieder vor den Kopf. Mambrú und B flüchten sich in Gespräche über Sex, befeuert durch die Ankunft der schönen Katya, die Mambrús Ex-Freundin ist. Der einheimische Dolmetscher versucht mit zynischem Humor, dem Team die Mentalität der Dorfbewohner zu erklären und umgekehrt, kann die Barrieren aber nicht wirklich überwinden. Für den Einsatz der Helfer scheint sich niemand zu interessieren. Die naive, aber pragmatische Sophie legt sich deswegen sogar mit den Blauhelmen an, die in diesem Film gar nicht gut wegkommen. Tatsächlich machten die UN-Soldaten im Bosnienkrieg ja auch unrühmliche Schlagzeilen mit ihrer Bürokratie und Zögerlichkeit.

Eher störend wirkt in dieser dramaturgisch eleganten Spirale des Schreckens die romantische Nebenhandlung mit Mambrú und Katya. Sie erinnert an die Konventionen filmischer Dutzendware. Ansonsten aber hat man über weite Strecken das Gefühl, der ungeschönten Realität von damals zu begegnen. Um die aufgeputschte, zwischen Wut, Ohnmacht und Tatendrang schwankende Stimmung des Teams zu schildern, wird die Odyssee der beiden Autos auf den Bergserpentinen mit wildem Punkrock unterlegt. Es gibt keine billigen Erklärungen, keine Lösungen, nur die Konfrontation mit einer grimmigen Realität, in der sich der kleinste Schritt zum Positiven schon als zu viel erweisen kann.

Fazit: Die spanische Satire über die Ohnmacht humanitärer Helfer auf dem Balkan am Ende des Bosnienkrieges besticht mit ungeschönter Authentizität und einem zynischen Humor, der den Charakteren als Schutzschild dient. Aus der Spannung zwischen der Hilfsbereitschaft und Angst der Protagonisten und einem destruktiven Umfeld bezieht die bitterböse Farce eine starke Energie.





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