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A Bigger Splash
A Bigger Splash
© Studiocanal

Kritik: A Bigger Splash (2015)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Wer Jacques Derays Erotikthriller "Der Swimmingpool" mit Alain Delon und Romy Schneider kennt, dürfte in Luca Guadagninos neuem Spielfilm "A Bigger Splash" auf viele vertraute Elemente stoßen. Während der Titel ein Gemälde des Briten David Hockney zitiert, orientiert sich die Handlung größtenteils an der französisch-italienischen Koproduktion von 1969: Vier Menschen geraten unter der gleißenden Sonne des Mittelmeers in einen gefährlichen Strudel aus Anziehung und Eifersucht, der – das ist früh erkennbar – dramatische Folgen haben wird. Wie bei Deray, dem Guadagnino mit einer Neuinterpretation seine Ehre erweist, breitet sich eine knisternde, spannungsgeladene Atmosphäre aus, die der Film allerdings dadurch unterläuft, dass er seine augenscheinlichen Konflikte zuweilen unnötig verschleppt. Immer wieder gibt es Passagen, die ins Leere laufen. Und auch die Zeichnung der Figuren kommt trotz erläuternder Rückblenden zumeist nicht über Allgemeinplätze und Behauptungen hinaus. Besonders deutlich zu sehen am Beispiel des Filmemachers Paul (Matthias Schoenaerts), der sich – so erfahren wir über den Dialog – von einem Selbstmordversuch erholt. Was genau ihn zu diesem drastischen Schritt getrieben hat, bleibt jedoch im Dunkeln.

Einen handfesten Kontrast zum stellenweise behäbigen Erzählrhythmus bildet der furiose Ralph Fiennes, der den in die Urlaubsidylle eindringenden Harry als hyperaktive Rampensau spielt. Ausgelassen tanzend, ständig nackt und voller Energie verkörpert der Plattenmanager den Rock’n’Roll-Lifestyle, von dem sich die Sängerin Marianne seit ihrer Beziehung mit Paul mehr und mehr verabschiedet hat. Tilda Swinton, deren Figur ausgerechnet durch eine Stimmband-OP gehandicapt ist, lässt die Sehnsüchte und die Gefühle des Musikstars allein in ihrer Mimik und Gestik aufscheinen und findet mit Fiennes einen Interaktionsmodus, um alte Vertrautheit glaubhaft spürbar zu machen. Erschreckend blass wirkt dagegen die Darbietung von "Fifty Shades of Grey"-Aktrice Dakota Johnson, die Harrys angebliche Tochter Penelope kein aufreizendes Charisma verleihen kann und damit erzählerische Notwendigkeiten torpediert.

Umso einprägsamer sind dafür die Bilder von Kameramann Yorick Le Saux, der die raue Schönheit der Mittelmeerinsel Pantelleria treffend einfängt. Zwischen Italien und Tunesien gelegen, ist das kleine Eiland ein erster Anlaufpunkt für afrikanische Migranten, auf deren Schicksal "A Bigger Splash" über Radio- und Fernsehberichte mehrmals hinweist. An einer Stelle kommt es sogar zu einer direkten Begegnung, die vor dem Hintergrund des hedonistischen Treibens und der Luxusneurosen der Protagonisten einen wunderbaren Irritationsakzent setzt. Am Ende nehmen Guadagnino und Drehbuchautor David Kajganich die Flüchtlinge und ihre missliche Lage noch einmal in den Blick, degradieren sie allerdings etwas lapidar zu einfachen dramaturgischen Funktionsfiguren, was die kritisch-reflektierte Haltung doch ein wenig schmälert. Bei aller Enttäuschung über das verschenkte Potenzial der "Swimmingpool"-Neuinterpretation dürfte zumindest die grandios enthemmte Performance von Ralph Fiennes für Staunen und genüssliche Unterhaltung sorgen.

Fazit: Das Erotikdrama "A Bigger Splash" entwirft eine knisternde Urlaubsatmosphäre, spitzt die Konflikte seiner Figuren aber nicht konsequent genug zu und produziert daher einiges an Leerlauf. Sehenswert sind in jedem Fall Ralph Fiennes in der Rolle eines herrlich überdrehten Musikmanagers und Tilda Swinton als gesundheitlich angeschlagener Rockstar.




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