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Kritik: Lights Out (2015)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Aus kurz mach lang – dieses Motto findet seit einigen Jahren vor allem im Horrorkino großen Anklang. 2013 präsentierte der Argentinier Andrés Muschietti mit tatkräftiger Unterstützung von Genre-Schwergewicht Guillermo del Toro eine abendfüllende Version seines dreiminütigen Gruselstreifens "Mamá". Und 2014 überraschte die Australierin Jennifer Kent mit dem feinfühligen Schauerdrama "Der Babadook", das auf ihrem eigenen Kurzfilm "Monster" basiert. Gesellschaft leistet den beiden Filmemachern nun auch der schwedische Regisseur und Drehbuchautor David F. Sandberg, dessen im Internet millionenfach angeklicktes Spukfilmchen "Lights Out" das Interesse von Horror-Spezialist James Wan ("Saw", "Insidious", "Conjuring – Die Heimsuchung") wecken konnte. Mit dem umtriebigen Genre-Liebhaber als Produzent an seiner Seite realisierte Sandberg eine Langfilm-Variante seiner gruseligen Fingerübung, die auf dem nordamerikanischen Markt gleich am Startwochenende ein Vielfaches ihrer Produktionskosten einspielte.

Rund um die Kernidee des Ursprungswerks, in dem ein Dämon auftaucht, der sich nur im Dunkeln zeigen kann, bauen der junge Regisseur und Drehbuchautor Eric Heisserer ("Final Destination 5", "A Nightmare on Elm Street") eine nicht sonderlich originelle Geschichte, die von einer unheimlichen Freundschaft und ausuferndem Wahnsinn handelt. Eingeflochten in die Erzählung ist ein familiäres Drama, das die Macher gelegentlich etwas genauer unter die Lupe nehmen. Als Rebecca (Teresa Palmer) erfährt, dass ihr Halbbruder Martin (Gabriel Bateman) ähnliche Ängste durchlebt wie sie in ihrer Kindheit, nimmt sie den verunsicherten Jungen kurzerhand bei sich auf, weckt damit aber den Zorn ihrer psychisch kranken Mutter Sophie (Maria Bello), von der sie sich nach dem plötzlichen Verschwinden ihres Vaters bewusst distanziert hat. Schon als Rebecca klein war, kommunizierte die labile Frau mit einer geisterhaften Präsenz namens Diana (Alicia Vela-Bailey), die dem kleinen Mädchen gehörige Angst einjagte. Dass der örtlich ungebundene, nur in der Dunkelheit erscheinende Dämon die Familie nach wie vor zermürbt, ist immer wieder spürbar. Intensive Psychogramme, wie sie James Wan in seiner jüngsten Regiearbeit "Conjuring 2" entwirft, sollte man hier allerdings nicht erwarten – selbst wenn Teresa Palmer, Gabriel Bateman und Maria Bello ihre recht stereotypischen Figuren mit Leben füllen können.

Was seine Gruselwirkung betrifft, erweist sich "Lights Out" als kompetenter Vertreter seines Fachs. Sandberg kennt die Mechanismen des Genres, kann Spannung mit einfachen Mitteln – etwa über flackernde Lichter oder sich bewegende Türgriffe – erzeugen und versieht seine nicht immer plausible Geschichte mit einigen gut platzierten Schockmomenten. Atmosphärisch ist sicherlich noch Luft nach oben. Im packenden Showdown beweist der junge Schwede jedoch, dass er das Publikum an seine Protagonisten binden kann. Erfreulich, wenn man bedenkt, wie viele Horrorfilme den Zuschauer allzu schnell verlieren. Zum großen Wurf reicht es trotz alledem nicht, da "Lights Out" unter dem Strich zu sehr auf eingeübte Muster vertraut, anstatt eigene, überraschende Ideen anzubieten. Eine Marschroute, der Sandberg vermutlich auch bei seinem neuen Projekt treu bleiben wird. Immerhin hat ihn sein Förderer James Wan mit der Gestaltung des Sequels zum formelhaften "Conjuring"-Ableger "Annabelle" betraut.

Fazit: Eine routinierte Inszenierung, effektive Schockmomente und glaubwürdige Darsteller machen "Lights Out" zu einem kurzweiligen, aber konventionellen Horrorfilmvergnügen, dem letztlich das gewisse Etwas fehlt.




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