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Kritik: Der junge Karl Marx (2016)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Mit "Der junge Karl Marx" liefert der in Port-au-Prince geborene Raoul Peck (dessen dokumentarisches Werk "I Am Not Your Negro" am 30. März in den deutschen Kinos anläuft) ein solides Biopic, das sich nicht nur mit dem titelgebenden Philosophen und Theoretiker, sondern nahezu gleichrangig mit Marx' Kollegen und Freund Friedrich Engels befasst. Nachdem der Film zu Beginn die Lebens- und Berufssituation der beiden Männer präsentiert hat, lässt er diese in einer amüsanten Sequenz aufeinandertreffen: Aus gegenseitiger Abneigung wird hier unversehens Anerkennung, welche rasch zu einer äußerst fruchtbaren Kollaboration führt.

Das Drehbuch, das Peck in Zusammenarbeit mit Pierre Hodgson und Pascal Bonitzer entwickelte, macht deutlich, dass das "Stürzen der alten Welt" zunächst ein theoretisches Fundament braucht – und dass es dabei nötig ist, sich von anderen bewusst abzugrenzen und damit Risiken einzugehen. In der Umsetzung gelingt es indes nicht immer, diese Einsicht in einer gänzlich stimmigen Form zur Anschauung zu bringen: Viele Dialoge wirken gekünstelt, etliche Gesten muten unnötig manieriert, in manchen Fällen auch zu pathetisch an. Zwar fängt Kameramann Kolja Brandt das Geschehen stets gekonnt ein – dennoch kommt "Der junge Karl Marx" nur selten über eine tadellos ausgestattete Geschichtsstunde auf großer Leinwand hinaus. Zu den besten Passagen zählen die Einblicke in Marx' Ehe mit Jenny von Westphalen, der von Vicky Krieps ("Die Vermessung der Welt") die erforderliche Stärke verliehen wird. Der Beziehungsalltag des Paares ist von finanziellen Problemen geprägt und wird glaubhaft dargestellt.

August Diehl ("Die Fälscher") spielt den Hauptpart souverän; gleichwohl hätte seine Darbietung noch rastloser ausfallen können. Als Engels sorgt Stefan Konarske hingegen für die unterhaltsamsten Szenen des Films – etwa wenn sich der Fabrikbesitzer-Sohn zwecks Recherche für sein Buch über die Arbeiterklasse beherzt dem Zorn des irischen Proletariats aussetzt und dabei noch überraschend die Liebe findet. Die Chemie zwischen Diehl und Konarske als geistesverwandte und doch grundverschiedene Denker und Pioniere stimmt, wodurch einige schöne Buddy-Movie-Momente in historischem Setting entstehen.

Fazit: Ein stilvoll gedrehtes (Doppel-)Biopic mit kluger Erkenntnis und gutem Ensemble, das allerdings oft zu gestelzt daherkommt, um vollauf zu überzeugen.





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