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Kritik: Burg Schreckenstein (2015)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

"Burg Schreckenstein" beruht auf der gleichnamigen Jugendbuch-Reihe, die 27 Bänder umfasst und von Autor Oliver Hassencamp zwischen 1959 und 1988 verfasst wurden. In den 70er- und 80er-Jahren wurde die Reihe zudem als Hörspiel-Kassette veröffentlicht, bevor die Geschichte um den Außenseiter Stephan, der Teil einer Schülergemeinschaft wird, Anfang der 00er-Jahre als Hörbuch erschien. Regie bei der Verfilmung führte der Münchner Ralf Hüttner, der 2010 einen großen Erfolg mit der Tragikomödie "Vincent will Meer" feiern konnte.

"Burg Schreckenstein" wurde im Herbst 2015 gedreht, eine Fortsetzung ist bereits angekündigt. Diese soll den Titel "Burg Schreckenstein und der chinesische Drache" tragen. "Burg Schreckenstein" ist die moderne, neuzeitliche filmische Umsetzung einer erfolgreichen Geschichte, die aus den 50er-Jahren stammt. Und wer sich jetzt fragt, ob ein derart in die Jahre gekommener, angestaubter Plot auch im Jahre 2016 funktionieren kann, dem sei gesagt: er kann. Der Film mischt gekonnt die wesentliche Elemente der Ursprungsstory um Internatstraditionen (für heutige Kinder und Jugendliche kaum vorstell- und nachvollziehbar) – und dem damit einhergehenden Zusammenhalt einer eingeschworenen Gemeinschaft – mit typischen Versatzstücken unserer aktuellen, hochtechnisierten Gesellschaft. Aus diesem Grund sind hier auch z.B. Drohnen, moderne Arbeitscomputer und Smartphones zu sehen, was dem Film einen glaubwürdigen, modernen Anstrich verleiht und sich damit an die gegenwärtigen Sehgewohnheiten anpasst.

Die Jungdarsteller agieren allesamt mit viel Spielfreude und äußerst glaubhaft. Nach anfänglichen Problemen zwischen Stephan und den "Schreckensteinern" (inklusive einiger Verballhornungen bei der ersten Begegnung), finden sie allmählich zueinander und werden Freunde. Hier versteckt sich auch die wichtigste Botschaft im Film: die große Bedeutung von (echten) Freunden, vor allem wenn man als Scheidungskind extrem unter der Trennung der Eltern leidet. Genauso wie Stephan im Film. Durchweg amüsant gestalten sich die Streiche und der gegengeschlechtliche Schlagabtausch mit dem Mädcheninternat. Eines der Highlights in Sachen Streiche: eine Horde wildgewordener Hühner verursacht ein gehöriges Chaos im Computersaal des Mädcheninternats, Unmengen an Hühnerkacke auf den Stühlen, Tischen und den Computern inklusive – und kurz darauf dann auch im Gesicht der Rektorin Dr. Horn.

Diese wird von Sophie Rois – mit einem Stock im Allerwertesten aber dennoch exzentrischen Verhaltensmerkmalen – lustvoll verkörpert, während Harald Schmidt als Burgherr Graf Schreckenstein ein wenig hinter seinen Möglichkeiten bleibt. Auch das erste Interesse am anderen Geschlecht wird im Film angedeutet, wodurch er vor allem für die jugendliche Zielgruppe der Elf- bis Fünfzehnjährigen nochmals interessanter wird. Alle Älteren können sich aber immerhin an eben jenen einfallsreichen, witzigen Streichen erfreuen.

Fazit: Moderne Neufassung eines angestaubten Stoffes mit aktuellen Bezügen zur Lebensrealität heutiger (junger) Jugendlicher, ausgestattet mit viel frechem Witz und überzeugenden Jungdarstellern.





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