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The Boy
The Boy
© Capelight Pictures

Kritik: The Boy (2015)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Chucky, Billy und Annabelle – so heißen Puppen, die im Horrorkino bereits für Angst und Schrecken sorgten. Gesellschaft leistet ihnen nun der kleine Brahms, der seinem Kindermädchen Greta ("The Walking Dead"-Star Lauren Cohan) im Gruselthriller "The Boy" das Fürchten lehrt. Regisseur William Brent Bell ("Devil Inside") und Drehbuchautor Stacey Menear bedienen zahlreiche bekannte Genre-Motive, schaffen es aber erstaunlich lange, den Zuschauer für das Geschehen auf der Leinwand zu interessieren.

Vertraut wirkt schon der Einstieg, der gleich zur Sache kommt: Gemeinsam mit Greta erleben wir die Fahrt zu einem alten Anwesen im englischen Hinterland. Einem imposanten Herrenhaus mit Türmchen und Erkern, das sofort eine unheimliche Aura verströmt. Wie es sich für das Setting eines Horrorfilms gehört, wirkt auch das Innere keineswegs behaglich: Tierköpfe grüßen von den Wänden, alte Spielsachen liegen herum, und die Flure sind verzweigt und düster. Ein schauriger Ort, der – ebenso wie das Ehepaar Heelshire (Diana Hardcastle und Jim Norton) – von einer tiefen Trauer befallen scheint.

Dass Greta nicht augenblicklich kehrtmacht, liegt an den schrecklichen Erfahrungen, die sie erst kürzlich sammeln musste. Ihr Ex-Freund – das wird in den Telefongesprächen mit ihrer Schwester deutlich – hat sie geschlagen. Und nun will die junge Frau weit weg vom heimischen Montana neue Kräfte sammeln. Die Heelshires zahlen gut, weshalb die Amerikanerin auch dann nicht ins Grübeln kommt, als sie erkennt, dass sie sich um eine lebensgroße Puppe kümmern soll.

Eine reichlich absurde Prämisse, die mit der Zeit allerdings eine schaurige Stimmung nach sich zieht. Vorsichtig gleitet die Kamera – geführt von Horrorveteran Daniel Pearl ("Blutgericht in Texas") – durch Flure und Zimmer. Subjektive Einstellungen deuten an, dass Brahms ein Eigenleben führt. Und sorgsam platzierte Schockmomente lassen den Zuschauer kurz zusammenzucken, obwohl sie wenig originell ausfallen. Zum allgemeinen Unbehagen trägt nicht zuletzt der Porzellanknirps bei, der mit seinen weißen, ebenmäßigen Zügen einen betrübten Eindruck macht, zugleich aber auch immer etwas Beunruhigendes ausstrahlt.

Dank solider Schauspielerleistungen nimmt man am Schicksal der Figuren teil. Zumindest so lange, bis "The Boy" im letzten Drittel nach einem Plot-Twist seine Marschrichtung ändert. Wohliger Grusel wird nun durch platte Gewalteruptionen ersetzt, die mehrmals an der Grenze zur unfreiwilligen Komik kratzen. Damit verspielt der erzählerisch hochgradig konventionelle, über weite Strecken aber angenehm atmosphärische Horrorthriller einiges von seiner Wirkung und dürfte die meisten Kinogänger etwas unbefriedigt zurücklassen. Schade, denn hier war sicher mehr drin!

Fazit: Ein unheimliches Setting, eine schleichende Gruselstimmung und ordentliche Darsteller reichen nicht aus, um "The Boy" über routinierte Genre-Kost hinauszuheben. Grund dafür ist ein eher missratener dritter Akt, der einen unnötigen Kurswechsel vornimmt.





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