VG-Wort
Die Domain Spielfilm.de verwendet Cookies für funktionale und analytische Zwecke. Durch die Nutzung unserer Seite erklärst Du Dich damit einverstanden. Weitere Cookie-Informationen findest Du hier.

Ok, einverstanden!

oder

Kritik: Suburbicon (2017)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

In dieser grimmigen schwarzen Komödie versucht ihr Regisseur und Co-Autor George Clooney zwei Themen zu verknüpfen, die nicht wirklich zusammenpassen. Zum einen greift er dokumentarisch belegte Ereignisse von 1957 in der Vorortsiedlung Levittown in Pennsylvania auf. Damals wurde das erste afroamerikanische Paar, das sich dort niederließ, von Hunderten seiner weißen Mitbürger massiv terrorisiert. Im Film kann der Junge Nicky Lodge von seinem Fenster aus beobachten, wie der Mob das Haus der afroamerikanischen Nachbarn belagert, denen die Weißen unterstellen, sie würden sittlichen Verfall und Kriminalität nach Suburbicon bringen. Von keinem Nachbarn bemerkt, grassiert zur gleichen Zeit nebenan bei den unauffälligen Lodges das Verbrechen. Dieses Krimi-Thema, das Clooney in den Mittelpunkt seines Films stellt, basiert wiederum auf einem Drehbuch der Brüder Ethan und Joel Coen über einen tollpatschigen Charakter, der sich selbst zum Verhängnis wird.

Clooney malt ein grimmiges Bild des Rassismus und der moralischen Verlogenheit in den gesichtslosen Eigenheimsiedlungen, wie sie in den 1950er Jahren populär wurden. Aber die Klammer zwischen dem Terror, mit dem die Weißen ihre schwarzen Nachbarn überziehen, und dem unbeachteten mörderischen Treiben im Haus nebenan versagt. Wenn sich Gardner und Margaret zunehmend reflexhaft gegen die Schlinge wehren, die sich um ihren verbrecherischen Hals zuzieht, nimmt eine doch recht konventionelle Krimikomödie ihren Lauf. Sie hat zwar eine Menge satirischen Biss – so stellt Julianne Moore Tante Margaret als scheinheilige Verkörperung der braven Hausfrau jener Ära dar -, erzählt aber nichts wirklich Neues. Es gibt ein blutiges Hauen und Stechen, das seine Spuren auf dem weißen Hemd des leitenden Angestellten Gardner hinterlässt.

Diese zweigleisige Demontage der heilen Vorstadtwelt wird in Bilder übersetzt, die über gewitzten Sinn für Stil und modischen Geschmack jener Jahre verfügen. Die Hauseinrichtung der Lodges strahlt diese typische 50er-Jahre-Biederkeit aus, in der sich Komfort, Sinn fürs harmlos Verspielte und ein autoritärer Geist begegnen. Und schon die Eingangsszene, in der Suburbicon in Form eines Werbefilms angepriesen wird, etabliert den sarkastischen Tonfall der Erzählung virtuos. Aber der Film wirkt eben auch holprig konstruiert und seinem zentralen Krimi-Plot fehlt es etwas an Schwung und Pep.

Fazit: Regisseur George Clooney entlarvt in dieser satirischen Krimi-Komödie die scheinbar heile Welt der amerikanischen Vorstadtsiedlung der 1950er Jahre als verlogen und rassistisch. Während sich die Haupthandlung um einen verbrecherischen Familienvater dreht, widmet sich ein Nebenstrang dem Terror, mit dem die weiße Nachbarschaft die erste afroamerikanische Familie in der Siedlung überzieht. Leider verweigern sich diese beiden inhaltlichen Themen einem logischen Brückenschlag, so dass der Thriller nicht nur bissig und witzig, sondern auch von seiner unvorteilhaften Konstruktion beeinträchtigt wirkt.





Spielfilm.de-Mitglied werden oder einloggen.