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Ente gut! Mädchen allein zu Haus
Ente gut! Mädchen allein zu Haus
© Weltkino Filmverleih

Kritik: Ente gut! Mädchen allein zu Haus (2015)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Der neue Kinderfilm von Regisseur Norbert Lechner ("Tom und Hacke") handelt von den Abenteuern zweier ungleicher Freundinnen in einem ostdeutschen Wohnblockviertel. Er wurde von der Förderinitiative "Der besondere Kinderfilm" unterstützt, die sich für originäre Stoffe einsetzt, damit diese gegenüber den beliebten Literaturverfilmungen nicht das Nachsehen haben. Das Drehbuch von Antonia Rothe-Liermann und Katrin Milhahn wirkt auch sehr zeitgemäß mit seinen Themen Migration und interkulturelle Freundschaft. Die Abenteuer der unbekümmerten Deutschen Pauline und der unter der Last ihrer Aufgaben ächzenden Deutsch-Vietnamesin Linh bewegen sich auf einem schmalen Grat zwischen Detektiv- und Versteckspiel einerseits und realer Not andererseits. So ist zwar für ausreichend Spannung gesorgt, aber es hapert öfters an der zielgruppengerechten Umsetzung.

Die Stärken der Geschichte liegen vor allem in der Schilderung von Linhs Alltag während der Abwesenheit der Mutter. Das Mädchen kümmert sich um die kleine Schwester, die die Mutter schrecklich vermisst und zunehmend Probleme macht. Linh hält auch das Imbisslokal am Laufen, weil die Angestellte kein Deutsch spricht. Wenn die Schulrektorin anruft und das Jugendamt auf der Matte steht, muss sich Linh etwas einfallen lassen. Ständig werden die beiden Schwestern daran erinnert, dass sie gesellschaftliche Außenseiter sind: Sie müssen immer ihre deutschen Kinderausweise mitführen, sonst verdächtigt sie die Polizei des illegalen Aufenthalts. Und unter den Jungs im Viertel gibt es einige, die verächtlich von den "Fidschis" sprechen. Die ernste, kluge Linh und die aufmüpfige, lebhafte Tien wirken beide sehr authentisch und bilden ein wunderbares Gespann. Beim Bemühen, die misstrauische Außenwelt auf Abstand zu halten, fehlt Linh oft die nötige Frechheit, die dafür Pauline besitzt. Trotz ihrer sympathischen Darstellerin wirkt diese spöttisch-altkluge Figur aber allzu sehr ins Artifizielle überzeichnet.

Wiederholt werden der Handlung Ideen aufgepfropft, die den kindlichen Horizont übersteigen. Zum Beispiel bescheren die Bewohner des anonymen Wohnblocks Tien an ihrem Geburtstag einen Konfettiregen – ein Einfall Paulines und Linhs. Dabei fehlt es ja gerade an diesem Zusammengehörigkeitsgefühl: Niemand schaut nach den Mädchen, weder die vietnamesische "Community", von der oft die Rede ist, noch beispielsweise Paulines Eltern, die der Film allerdings sowieso wie Aussätzige behandelt. Es ist sicherlich lobenswert, Kinder mit den schwierigen Lebensumständen anderer vertraut zu machen, aber die Situation von Linh und Tien bleibt oft nur beklemmend unübersichtlich.

Fazit: Ein freches deutsches Mädchen hilft seiner vietnamesischen Freundin, die Abwesenheit der Mutter zu überstehen. Für Spannung ist gesorgt, wenn ihre Abenteuer zwischen spielerischen Einfällen und bitterem Ernst hin- und herpendeln. Aber die Charakterzeichnung ist von unterschiedlicher Qualität und das ehrgeizige Drehbuch wirkt nicht immer zielgruppengerecht.





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