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Kritik: Agonie (2015)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

"Agonie" wurde in diesem Jahr auf der Berlinale in der Kategorie "Perspektive Deutsches Kino" als Weltpremiere gezeigt und von den Zuschauern gefeiert. Das Drama war als bester Erstlingsfilm nominiert. Der Regisseur und Drehbuchautor des Films, der Südamerikaner David Clay Diaz, produzierte "Agonie" gemeinsam mit Unterstützung der Münchener Hochschule für Fernsehen und Film sowie des Bayerischen Rundfunks. Mit "Agonie" feiert Diaz sein abendfüllendes Debüt als Filmemacher. Die Handlung ist in Wien angesiedelt, damit kehrt Diaz zu den eigenen Wurzeln zurück: als junger Mann lebte er in der österreichischen Hauptstadt und studierte dort Philosophie.

Obwohl die beiden Hauptfiguren im Film objektiv gesehen nicht unterschiedlicher sein könnten, eint sie etwas: sie mit sich und der Welt nicht im reinen, dazu innerlich zerrissen und getrieben. Beim leicht prollig daherkommenden, tätowierten Alex – der in einer Szene des Films als Möchtegern-Gangsta-Rapper seine abschätzige Meinung über das weibliche Geschlecht radikal kundtut – mag dies evtl. noch nachvollziehbar sein. Schwerer wird das schon bei Christian, der – von außen betrachtet – alles zu haben scheint: er ist charismatisch und smart, höchst motiviert sowie erfolgreich im Studium und zudem mit einem hübschen Mädchen zusammen.

Dennoch wird schon zu Beginn recht schnell klar: etwas Bedrohliches und Unheimliches, ja fast Psychopathisch-schizoides, scheint an ihm zu haften. Dies drückt sich in seinem Verhalten und durch seine Blicke immer wieder aus. In einer Szene etwa schaut er das Mädchen, mit der er wenig später im Bett landen wird, in einer Uni-Vorlesung derart klinisch steril und regungslos an, dass man es durchaus mit der Angst zu tun bekommen kann. In einem anderen Moment wirft er minutenlang – ebenso mit kalter und starrer Miene wie zuvor in der Vorlesung – einen Ball gegen seine Zimmerwand. Diese Szenen machen klar: vielleicht ist Christian derjenige der beiden jungen Männer, dem man den grausamen Mord sogar noch eher zutraut.

Bis es zur Auflösung und der Offenlegung des genauen Tathergangs kommt, bleibt es aber spannend und für den Zuschauer beginnen Minuten des Rätselratens: wer ist eher in der Lage zu solch einer Tat? wer verliert die Kontrolle über seine Emotionen und sein Verhalten? Beide Jungdarsteller, Alexander Srtschin und Samuel Schneider, vermitteln die Seelenqualen und das Ringen – "Agonie" ist das griechische Wort für Kampf oder Qual – um Akzeptanz bei ihrer Umwelt und Umgebung mit atemberaubender Glaubwürdigkeit und leidenschaftlichem Spiel. "Agonie" ist für ein Debütfilm zudem ein erstaunenswert packendes, stilsicheres und emotional mitreißendes Werk mit beachtlicher Schauspielerführung und konsequenter Erzählweise, geworden.

Fazit: Famose, authentisch agierende Jungdarsteller und die Ambivalenz der beiden Hauptpersonen im Film, machen aus "Agonie" ein beklemmendes, eindringliches Sozial-Drama über ein abscheuliches Verbrechen.





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