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Kritik: Alles was kommt (2016)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 2 / 5

Regisseurin und Drehbuchautorin Mia Hansen-Love hat selbst Philosophie studiert und ist die Tochter zweier Philosophielehrer. Insofern hat die Französin ein Millieu verfilmt, das ihr offenbar vertraut ist und dem sie sich mit ironischer Sympathie nähert.

Isabelle Huppert's Nathalie ist eine Frau, die weiß, was sie will, belesen, selbstbewusst und laut eigener Aussage ein "intellektuell erfüllendes Leben" führend. Das Drama beraubt sie nach und nach aller Bindungen ihres Lebens - Nathalie's Mutter stirbt, ihr Mann verlässt sie, ihre Verleger stellen ihre Buchreihe ein, die Kinder verlassen das Haus - und fragt zugleich, ob diese Bindungen nicht eher Fesseln gewesen sind: Ermöglicht der Verlust nicht zugleich die Freiheit? Kann man diese Freiheit aber im Bewusstsein des Verlustes genießen?

Der Streifen ist ganz auf Huppert zugeschnitten, die in beinahe jeder Szene zu sehen ist, und die Nathalie glaubwürdig verkörpert: Sie mag eine taffe Frau sein, aber auch sie stößt an Grenzen, die sie verzweifeln lassen. Man spürt, dass hier jemand dabei ist zu ertasten, welcher Weg der richtige für sie ist. Hansen-Love und ihre Darsteller lassen es dabei nicht zu bleischwer werden, sondern dosieren auch eine Prise Witz hinein.

Dennoch bleibt der Film eine seltsam blutleere Angelegenheit. Kein Ereignis scheint schwer wiegender als das andere, die Szenen reihen sich aneinander, ohne dass sie auf eine dramatische Wendung, einen Höhenpunkt oder eine besondere Erkenntnis zusteuern. Auch die philosophischen Scharmützel, die sich Nathalie mit ihrem ehemaligen Schüler Fabien liefert, werden halt geführt. Aber auch wenn sie es nicht würden, man dürfte es kaum bemerken. So wird der Beziehung Nathalies zu der Katze ihrer verstorbenen Mutter fast mehr Leinwandzeit eingeräumt als so manch anderem Handlungsstrang. Je länger der Film dauert, desto offensichtlicher wird es, dass Hansen-Love zwar ein Figurentableau ersonnen hat, mit dem sie aber nicht viel anzufangen weiß - jedenfalls nicht über eine Spieldauer von 100 Minuten. Dass der Film dann einfach aufhört, ist zwar folgerichtig, aber dramaturgisch unbefriedigend.

Fazit: Ein gut gespielter, aber betulicher und auf seltsam blutleere Art bildungsbürgerlich verbrämter Film über eine Lebenskrise, in der sich eine Szene an die andere reiht, ohne mitzureißen, zu berühren oder einen großen Erkenntnisgewinn zu erzielen.




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