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Théo und Hugo sitzen im selben Boot
Théo und Hugo sitzen im selben Boot
© Salzgeber & Co

Kritik: Théo & Hugo (2016)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Seit ihrem Langfilmdebüt "Jeanne et le garçon formidable" (1998) sitzen Olivier Ducastel und Jacques Martineau gemeinsam auf dem Regiestuhl. "Felix" (2000) und "Mein wahres Leben in der Provinz" (2002) sind in Frankreich längst Klassiker des queeren Kinos. "Théo & Hugo", der 2016 bei den Internationalen Filmfestspielen in Berlin den Teddy-Publikumspreis erhielt, dürfte schnell einer werden.

Das liegt zum einen an der Inszenierung, die stark an Sebastian Schippers "Victoria", der Berlinale-Überraschung aus dem Vorjahr, erinnert. Zum anderen sind da die großartigen Schauspieler. Ducastel und Martineau folgen ihnen an Originalschauplätzen durch eine beinahe menschenleere Metropole. Erst eine Viertelstunde unter vollem Körpereinsatz in einem Sexclub, dann auf dem Fahrrad, später zu Fuß, schließlich mit der ersten Métro. Blicke aufs Smartphone zeigen die Zeit an. Um 4:27 Uhr sehen sich Théo (Geoffrey Couët) und Hugo (François Nambot) zum ersten Mal, um 6:00 Uhr endet ihr intensives Kennenlernen. Zwar ist das nicht wie bei "Victoria" in einer einzigen Einstellung gedreht, aber auch bei "Théo & Hugo" fallen Erzählzeit und erzählte Zeit zusammen, dauert der Film also genau so lange wie die darin geschilderte Geschichte.

"Théo & Hugo" ist ein komprimiertes Liebesdrama unter umgekehrten Vorzeichen. Die Beziehung der Protagonisten beginnt mit Sex, erst danach unterhalten sie sich. Auf eine harte Prüfung folgen ein erster Streit und eine Versöhnung – und das alles in nur eineinhalb Stunden. Im Grunde passiert nicht viel. Dass das dennoch nie langweilt, ist das große Verdienst von Geoffrey Couët und François Nambot, denen es als Théo und Hugo von der ersten Sekunde an gelingt, das Publikum für sich einzunehmen. Die Leidenschaft und Lust, mit der die beiden einander im Rotlicht des Clubs begegnen, ihre Körper ertasten und verschmelzen, überträgt sich von der Leinwand auf den Kinosaal. Dass sich zwischen diesen beiden danach eine sanfte Romanze entspinnt, nehmen die Zuschauer diesem Duo jederzeit ab. Ihre Gespräche wirken echt und aus dem Leben gegriffen, wie der gesamte Film überaus authentisch daherkommt.

Fazit: Dem französischen Regieduo Olivier Ducastel und Jacques Martineau ist eine berührende Liebesgeschichte frei von Kitsch und Schwulst gelungen. Dank hervorragender Schauspieler und einer außergewöhnlichen Inszenierung hat "Théo & Hugo" das Zeug zum Klassiker (des queeren Kinos).





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