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Kritik: The Dinner (2017)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 2 / 5

Dass sich zwei wohl situierte Paare zusammen setzen, um über die Angelegenheiten ihrer Sprösslinge zu sprechen, ist nicht nur die Ausgangssituation dieses Dramas, sondern wird Zuschauern von "God of Carnage", dem erfolgreichen französischen Theaterstück von Yasmina Reza aus dem Jahr 2006, das Roman Polanski fünf Jahre als "Carnage" ("Der Gott des Gemetzels") verfilmt hat, bekannt vorkommen. Nur dass hier die beiden Paare - Laura Linney und Steve Coogan sowie Rebecca Hall und Richard Gere - über etwas wesentlich Ernsteres sprechen müssen als nur eine Ohrfeige auf einem Spielplatz.

Der israelische Regisseur Oren Moverman ("Rampart"), der mit Gere bereits vor drei Jahren bei "Time Out of Mind" zusammen gearbeitet hat, ist der dritte Filmemacher, der Herman Koch's niederländischen Roman "Het Diner" ("Angerichtet") aus dem Jahr 2009 für die Leinwand adaptiert. In seiner Sorge, dass ihm das Ganze als zu statisch und theaterhaft angekleidet werden würde, hat Moverman die hauptsächlich in einem schicken Restaurant in New England spielende Handlung mit Rückblenden aufgelockert, die einerseits den Hintergrund der Charaktere erleuchten, andererseits die Tat der Söhne zeigen, was à la "Dead Man Walking" deutlich macht, dass die Zwei nicht in irgendetwas hereingezogen worden sind, sondern eindeutig schuldig sind.

Was insbesondere dank Coogan, der wie im Buch als Erzähler fungiert, und seiner ätzenden Sprüche, eher wie eine amüsante Sozialsatire beginnt, rückt nach und nach in eine düstere Richtung, wobei die Erwachsenen alte Rechnungen begleichen und sich mit Vorwürfen überziehen. Der Regisseur und Kameramann Bobby Bukowski zeigen sich geschickt darin, die statische Szenerie mit der Kamera und der Beleuchtung zu beleben und wären vielleicht gut beraten gewesen, statt eines zweistündigen Werkes ein 80-minütiges kurz-knackiges zu servieren.

Denn die Rückblenden ergänzen nicht nur, sie verwässern auch. Das ist, als hätte Sidney Lumet in "Twelve Angry Man" ("Die zwölf Geschworenen") auf einmal Szenen aus dem Leben der Geschworenen hereingeschnitten. Insbesondere die Gettysburgh-Episode wirkt wie aufgezwungen. Sie scheint eingebaut, um die Facette des Rassismus zu unterfüttern, wirkt aber wie ein Fremdkörper.

Letztendlich packt Oren den Teller zu voll, und der unterschiedliche Tonfall und die zahlreichen angerissenen Themen - Politik, Rassismus, Schulsystem, psychische Erkrankung, Heuchelei der Oberklasse, der schädliche Einfluss des Internets - fügen sich zu keinem stimmigen Ganzen. Wenn dann auf der letzten Biegung der moralische Diskurs über Verbrechen und Sühne aufgemacht wird, der doch eigentlich das Hauptgericht des ganzen Menus hätte sein sollen, führt die Überlänge endgültig zu einer Übersättigung des Zuschauers. Die Schlussszene wirkt dann in ihrem Bemühen, das Ganze auf die absurde Spitze zu treiben, nur noch ärgerlich.

"The Dinner" wirkt dann am stärksten, wenn das Schauspielerquartett interagiert; hier erwacht der Film streckenweise zum Leben. Jeder bekommt zudem sein "Solo" und macht das Beste daraus. Hätte Moverman der Kammerspielartigkeit mehr vertraut, wäre dieses Dinner womöglich schmackhafter geworden.

Fazit: Zu lang geraten, durch zu viele Rückblendungen verwässertes, aber gut gespieltes Drama.




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