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Pressekonferenz zu The Dinner mit Regisseur Oren...Gere
Pressekonferenz zu The Dinner mit Regisseur Oren Moverman, Laura Linney und Richard Gere
© Berlinale

Berlinale Tagebuch 2017: Tag 2

Richard Gere und Steve Coogan: Zwei Männer gegen Trump

Mit dem zweiten Tag und dem zweiten Film fängt die Berlinale doch erst so richtig an. Der Eröffnungsfilm schwebt irgendwie ein bisschen über dem Rest, ist exponiert und hat einen Sonderstatus. Doch wie startet das Festival jetzt mit den "normalen" restlichen Wettbewerbsfilmen?

Zur Erleichterung und Überraschung des vollbesetzten Berlinale-Palastes sehr gut. Der ungarische Beitrag "Testről és lélekről" ("Auf Körper und Seele") erzählt eine ungewöhnliche Liebesgeschichte mit einem Element des Phantastischen. Dabei muss die versammelte Kritikerschar am frühen Morgen schon drastische Bilder von geschlachteten Kühen und aufgeschnittener Pulsader, die Regisseurin Ildikó Enyedi bewusst ins Bild rückt, über sich ergehen lassen. Aber alles fügt sich zu einer rührenden, teilweise witzigen und auf jeden Fall nicht vorhersehbaren Handlung. Am Ende gab es wohlverdienten und auch durchaus lang anhaltenden Applaus.

Der Sitznachbar im Oberrang verblüfft derweil mit einer kaum glaublichen Geschichte: Im vergangenen Jahr zur 66. Berlinale hatte es sich Sven Asbach zum Ziel gesetzt, 66 Filme in elf Tagen zu sehen - was ihm auch gelang. Von morgens 9 Uhr bis abends 22 Uhr ging es von einer Vorstellung in die nächste, alles minutiös geplant, weil teilweise einige Kilometer zwischen den verschiedenen Kinos zurückgelegt werden mussten. Verschwamm da nicht bald alles vor den Augen? "Ja schon", so der Rekordgucker, "aber die guten Filme behält man." Hat er sich denn letztes Jahr den Acht-Stunden-Film angetan? "Nein, in der Zeit konnte ich ja drei andere sehen." Dieses Jahr lässt es Sven aber ruhiger angehen.

Zur Mittagszeit kommt dann zwar nicht unbedingt Hollywood, aber doch amerikanisches Qualitätskino mit klingenden Namen - Richard Gere, Laura Linney, Steve Coogan, Rebecca Hall - auf die Berlinale-Leinwand. Wie ein Bühnenstück wirkt "The Dinner", der aber auf einem bereits zweimal verfilmten Roman basiert. Das Ganze wirkt wie eine Kreuzung aus "Der Gott des Gemetzels" und "Dead Man Walking" und erhält zum Schluss nur spärlichen Applaus.

In der anschließenden Pressekonferenz holen Gere und Coogan gegen US-Präsident Donald Trump aus. "Ja, die Figur, die ich spiele, ist wohl geistig nicht gesund, aber verglichen mit dem Geisteszustand des US-Präsidenten hat sie nur einen leichten Kopfschmerz", ätzt Coogan. Und Silberfuchs Gere erklärt: "Donald Trump's größtes Verbrechen ist es, dass er Terroristen und Flüchtlinge in einem Atemzug nennt. Ein Flüchtling ist jemand, der Hilfe sucht; jemand, dem wir helfen müssen. Die Zahl von Hassverbrechen ist, seitdem Donald Trump Wahlkampf betreibt, enorm angestiegen. Da gibt es Anführer, die Angst verbreiten."

Am Nachmittag dann der Lackmustest: Kollegin Julia Nieder, ein selbsterklärter "Trainspotting"-Fan, sieht sich die Fortsetzung an, die im Wettbewerb außer Konkurrenz gezeigt wird - und hebt den Daumen: "Der Film fühlt sich nicht wie eine Fortsetzung an, sondern wie ein ganz eigenständiges Werk, das hier und da Verweise und Variationen des Originals zeigt."



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