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Vor der Morgenröte - Stefan Zweig in Amerika (2016)

Stefan Zweig: Farewell to Europe

Drama über das Leben des Schriftstellers Stefan Zweig im Exil und seinen Freitod im Jahr 1942.Kritiker-Film-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 2 / 5
User-Film-Bewertung [?]: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3.3 / 5

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Der zu seiner Zeit neben Thomas Mann am meisten übersetzte deutschsprachige Schriftsteller Stefan Zweig (Josef Hader) hat seine österreichische Heimat schon 1934 verlassen. Weil er Jude ist, werden seine Werke in Deutschland bald nicht mehr verlegt. 1936 zeigt er sich auf einer Brasilienreise begeistert davon, wie in diesem Land Menschen verschiedener Rassen und Hautfarben friedlich zusammenleben. Im September desselben Jahres nimmt er als Ehrengast am internationalen Schriftstellerkongress in Buenos Aires teil. Dort wird von ihm eine Verurteilung Nazideutschlands erwartet, aber als Pazifist und Künstler möchte er sich nicht politisch instrumentalisieren lassen.

Anfang 1941 reist der heimatlose Stefan Zweig mit seiner zweiten Frau Lotte (Aenne Schwarz) wieder durch Brasilien. Wenige Tage später fliegt er nach New York, wo er seine erste Frau Friderike (Barbara Sukowa) nach ihrer Ankunft aus Europa wiedersieht. Unzählige Bittbriefe von Intellektuellen, die emigrieren wollen und auf seine Fürsprache bei den Behörden hoffen, erreichen ihn. Die Zweigs bleiben ein paar Monate in den USA und lassen sich schließlich Ende 1941 in der brasilianischen Stadt Petrópolis nieder. Am 22. Februar 1942 scheiden sie gemeinsam aus dem Leben. Zweigs Abschiedsbrief endet mit den Worten: "Ich grüße alle meine Freunde! Mögen sie die Morgenröte noch sehen nach der langen Nacht. Ich, allzu Ungeduldiger, gehe ihnen voraus!"

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In seinen Memoiren "Die Welt von Gestern", die erst nach seinem Freitod im Jahr 1942 erscheinen, feiert Stefan Zweig das alte Europa der Kultur und der Künste. Er schildert auf unvergessliche Weise, wie der Erste Weltkrieg und wenig später der aufkommende Faschismus seine Hoffnung auf ein liberales, friedliches Weltbürgertum begraben. Schon frühzeitig ging der jüdische Schriftsteller 1934 unter dem Eindruck des wachsenden Antisemitismus in Österreich nach London ins Exil. Die vielen Jahre des Lebens in der Fremde zermürben ihn. In seinem Abschiedsbrief dankt er Brasilien für die Aufnahme, "nachdem die Welt meiner eigenen Sprache für mich untergegangen ist und meine geistige Heimat Europa sich selbst vernichtet." In ihrem zweiten Spielfilm beleuchtet die Regisseurin Maria Schrader ("Liebesleben") in fünf Episoden und einem Epilog diesen letzten Abschnitt im Leben des Schriftstellers, in dem auch seine berühmte "Schachnovelle" entstand.

Das Leben im Exil ist für Stefan Zweig, glaubt man diesem Film, gehetzt und anstrengend: Es gleicht einer Tournee durch verschiedene Länder, die Gespräche auf Empfängen und Events, im Auto zur nächsten Einladung sind bruchstückhaft und funktional. Wo wird man sich umziehen können vor den Ankunft im winterlichen New York, wo ein Telegramm aufgeben? Stefan Zweig ist ein Star, mit dem sich viele schmücken wollen. Vor allem aber hoffen Freunde, Bekannte, selbst intellektuelle Gegner in Europa auf seine Fürsprache, damit auch sie dem Faschismus entkommen können. Stefan Zweig kommt nicht zur Ruhe und der Zuschauer auch nicht, denn Leute reden durcheinander, ohne dass sich Themen vertiefen. Auf diese Weise erfährt man nichts über die Entstehung der Autobiografie und kaum etwas über die Beziehungen. Zwar sind die Frauen, die Verleger da, aber man redet zwischen Tür und Angel und wie es in Zweig aussieht, verrät nur ein gelegentlich abwesender Blick oder sein Wort von der "schwarzen Leber", die ihn plage.

Der Kabarettist Josef Hader verleiht Zweig weiche Züge. Aber von einem wirklichen Schauspiel ist auch in den anderen Rollen wenig zu sehen, es gibt keine nonverbale Kommunikation. Eine Fülle inhaltsarmer Szenen schluckt jeden Sinn, wie jene, in der Hader einen Hund liebkost. Die Kamera springt von Person zu Person, ohne einen Gesamtüberblick zu erlauben. Es irritiert, wenn der Ton unberührt davon bleibt, ob sich die Sprechenden entfernen oder wieder nähern. Dies ist ein TV-Film, eine Fingerübung, aber kein Kinodrama, das eine Atmosphäre erzeugt und sein großes Thema ernsthaft umarmt.

Fazit: Stefan Zweigs Jahre im Exil waren, will man diesem episodenhaften Drama glauben, oft purer Stress aufgrund von Repräsentationsterminen und Fürsprachen für europäische Intellektuelle, die dem Naziregime entkommen wollten. Regisseurin Maria Schrader erzählt davon im Stil eines Fernsehfilms, der den Charakteren, der Atmosphäre und Vorstellungskraft vor lauter lärmender Geschäftigkeit keinen angemessenen Raum eröffnet.






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Land: Österreich, Deutschland, Frankreich
Jahr: 2016
Genre: Drama
Länge: 106 Minuten
Kinostart: 02.06.2016
Regie: Maria Schrader
Darsteller: Barbara Sukowa als Friderike Zweig, Tómas Lemarquis, Lenn Kudrjawizki als Samuel
Verleih: X Verleih

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