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Mit besten Absichten
Mit besten Absichten
© Sony Pictures

Kritik: Mit besten Absichten (2015)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Die Drehbuchautorin und Regisseurin Lorene Scafaria, die im Jahre 2012 mit dem romantischen Endzeit-Roadmovie "Auf der Suche nach einem Freund fürs Ende der Welt" ihr Langfilmdebüt als writer-director feierte, liefert mit der Tragikomödie "Mit besten Absichten" ein zutiefst warmherziges Werk, dessen Mutter-Tochter-Geschichte auf eigenen Erfahrungen beruht. Der Originaltitel "The Meddler", der eine Bezeichnung für eine Person ist, welche sich in Dinge einmischt, die sie nichts angehen, lässt im Vorfeld eher eine Abrechnung mit der Helikopter-Mutter vermuten – doch der Film ist stattdessen durchdrungen von Zartgefühl. Das Skript verzichtet auf dramaturgische Zuspitzungen; die Inszenierung ist – auf überaus angenehme Weise – weitgehend unaufgeregt.

Erneut beweist Scafaria, dass sie großes Talent für leise Komik sowie ein Gespür für witzige Details hat. Wenn die von Susan Sarandon verkörperte Marnie etwa beim Flanieren durch die Stadt versehentlich in ein Filmset hineinläuft und kurzerhand als Statistin in die Dreharbeiten integriert wird, dient dies nicht als Gag-Vorlage, sondern ist Ausgangspunkt eines amüsant-absurden Erlebnisses, das Marnie natürlich sofort mit ihrer Tochter Lori teilen möchte. Marnies glühende Begeisterung für die Songs von Beyoncé oder ihre unerwartete Vorliebe für Actionstreifen sind hübsche Nuancen, die die Figur zu einem Charakter machen, der nicht nur über die Standard-Eigenschaften einer Dramödien-Heldin verfügt. In den herrlich geschriebenen und interpretierten Passagen, in denen Marnie Loris Therapeutin Diane (Amy Landecker) aufsucht, deuten sich die ernsten Seiten der Erzählung an – dass Marnie gebraucht werden will und den schmerzlichen Verlust ihres Gatten auszugleichen versucht, indem sie all ihre Zeit ihrer Tochter und später auch anderen Menschen wie Loris Freundin oder dem freundlichen Apple-Store-Angestellten widmet. "Mit besten Absichten" gleitet allerdings nie in Küchenpsychologie-Gefilde ab, sondern bleibt stets glaubwürdig und lebensnah.

Susan Sarandon ist in der Hauptrolle – wie so oft – geradezu umwerfend und harmoniert ganz ausgezeichnet mit all ihren Co-Stars. In den gemeinsamen Szenen mit Rose Byrne als Tochter fühlt man als Zuschauer_in die Liebe zwischen den beiden Frauen; dennoch wird zugleich Loris Wunsch, Grenzen zu ziehen, begreifbar. Die sich behutsam anbahnende Romanze zwischen Marnie und dem am Stadtrand Hühner züchtenden Ex-Cop Zipper (J.K. Simmons) wird ebenso wie die diversen Nebenstränge mit Feinsinnigkeit umgesetzt.

Fazit: Ein rundum liebevoll gestalteter Film über eine Mutter-Tochter-Beziehung mit einer wunderbaren Protagonistin, die von Susan Sarandon hervorragend gespielt wird.





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