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Kritik: Dirty Games (2015)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Ob in seinem Buch "Der gekaufte Fußball" von 2013, der preisgekrönten WDR-Radio-Reportage "Die Pharma-Sklaven" oder seinen TV-Beiträgen für die "Sportschau" sowie das WDR-Magazin "Sport Inside": der Sportpublizist und Autor Benjamin Best ist so etwas wie der Simon Wiesenthal hierzulande. Nur jagt er keine Nazis, die er zur Rechenschaft ziehen will sondern begibt sich – journalistisch fundiert und aufwendig recherchierend – auf die Suche nach manipulierenden, betrügenden Funktionären, Spielern und Schiedsrichtern im weltweiten Profisport. Die journalistische Qualität und die aufwendige Recherchearbeit zeichnen auch die eindringliche, lehrreiche Doku "Dirty Games" aus, für die Best u.a. nach Rio, Washington D.C., Las Vegas und Kathmandu reiste.

Spätestens seit dem Riesen-Skandal um Robert Hoyzer 2005, der selbst unzählige Spiele gegen Sach- sowie Geldzuwendungen beeinflusste und darüber hinaus die weitreichenden Verstrickungen vieler Profi- und Amateurvereine in kriminelle Machenschaften offen legte, ist klar: der Fußball in Deutschland ist ein dreckiges Geschäft, ein "dirty game". Dass mafiöse und kriminelle Syndikate auch zu weiten Teilen die Geschicke der FIFA bestimmen, wurde nicht zuletzt durch den Skandal im letzten Jahr deutlich. Dadurch, dass Best diesen letztjährigen sportlichen Supergau im Film ausführlich thematisiert und vor allem auch einen Blick nach Katar wirft (dort findet die übernächste Fußball-WM statt), erscheint "Dirty Games" sehr aktuell und auf der Höhe der Zeit.

Zwar sind die in diesem Zusammenhang vermittelten Erkenntnisse ebenso wenig neu und überraschend wie die nach wie vor erschütternden Bilder von den katastrophalen Arbeits- und Lebensbedingungen der mit dem Bau der Stadien und Infrastruktur im Land beauftragten Arbeiter, "Dirty Games" zeichnet aber etwas anderes aus: die ausgezeichnete Wahl der Interviewten, die aus dem Nähkästchen plaudern, sowie die kritische Beschäftigung mit den Sportarten NBA und Boxen. Diese sorgt für die Offenlegung neuer, bisher unbekannter Gaunereien und Manipulationen, die mittlerweile ein nicht gekanntes Ausmaß angenommen haben. Wenn ein ehemaliger NBA-Schiedsrichter davon berichtet, dass vor allem die Play-Offs von außen beeinflusst werden und es dabei "nur um Millionen" gehe oder ein Ex-Box-Ringrichter zugibt, hunderte Kämpfe indoktriniert und im Sinne seiner "Auftraggeber" verfälscht zu haben, wird schmerzhaft deutlich: Fußball, Basketball und Boxen – sie alle sind "Dirty Games".

Ab und ab zielt Best zu deutlich und affektiert auf die Gefühlswelt des Zuschauers ab, etwa wenn er unbedarfte, junge Sportler in Zeitlupe beim Fußballspielen am Strand zeigt und diese damit auf pathetische, kitschige Art und Weise in Szene setzt. Damit will er vor allem eines zeigen: Hauptleidensträger sind die Millionen Sportfans aus aller Welt und die vielen, an jungen Menschen, die den Glauben an fairen Sport ebenso verlieren wie den an ihre Idole, auch wenn diese letztlich auch nur Opfer sind. Zum Schluss zeigt Best mit einem Hoffnung machenden, ganz speziellen "Vereinsmodell" auf, was künftige, mögliche Alternativen sein könnten, um den verdreckten Sport reinzuwaschen.

Fazit: Informative, aufwendige Doku über die vielfachen, scheinbar zur Norm gewordenen Betrugsfälle im internationalen Profisport, die fassungslos machen.




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