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Kritik: Für immer eins (2016)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 2 / 5

Wiewohl es sich bei dem zentralen Liebespaar in "Für immer eins" nicht um geschiedene und zerstrittene Eheleute handelt, sondern um zwei Frauen, die nach fünfjähriger Beziehung in eine schwere emotionale Krise geraten, steht der Film von Maria Sole Tognazzi doch ganz in der erzählerischen Tradition der comedy of remarriage. In den Werken dieses Subgenres, das sich im Hollywoodkino der 1930er und 1940er Jahre größter Beliebtheit erfreute, geht es darum, dass zwei Menschen sich einst innig liebten, sich dann aber entzweiten, um nun letztlich wieder zueinanderzufinden. Der positive Ausgang der Geschichte steht in den Klassikern dieser Komödienspielart außer allem Zweifel – ebenso wie die Tatsache, dass sich die beiden Liebenden aus einem männlichen und einem weiblichen Part zusammensetzen (müssen). Tognazzi, die das Drehbuch gemeinsam mit Ivan Cotroneo und Francesca Marciano verfasste, liefert eine queere Variante dieser Formel: Die Protagonistinnen müssen sich als Paar bewähren, als eine dritte Person – ein Mann – als Nebenbuhler auftaucht.

Die sexuell ambivalente Figur, die sich zwischen ihrer Partnerin und ihrem neuen Geliebten entscheiden muss, wird von Margherita Buy verkörpert. Im Vergleich zu ihrer Performance in der Nanni-Moretti-Dramödie "Mia madre" bleibt Buy als innerlich hin- und hergerissene Architektin Federica leider recht blass. Zwar stimmt die Chemie zwischen ihr und ihrem Co-Star Sabrina Ferilli ("La Grande Bellezza – Die große Schönheit"), doch in den Konfliktszenen fehlt es Buys Spiel an Intensität. Hinzu kommt, dass Fausto Maria Sciarappa als 'Alternative' zu Federicas Glück mit der selbstbewussten Restaurantbesitzerin Marina völlig konturlos bleibt und somit nur die dramaturgische Funktion erfüllt, vorübergehend für Irritation in der Beziehung zwischen den Frauen zu sorgen. Ennio Fantastichini gibt Federicas Ex-Gatten Sergio wiederum lediglich als Chauvi-Karikatur. Einzig Domenico Diele ist als Sohn von Federica und Sergio eine interessante Männerfigur: Die Mutter-Sohn-Momente, in denen thematisiert wird, wie der junge Mann mit dem Liebesleben seiner Eltern umgeht, gehören zu den lustigsten Passagen des Films. Ferillis Rolle als Betrogene und Kämpfende fällt nicht allzu vielschichtig aus; allerdings bietet das Skript der charismatischen Akteurin die gelungensten Dialogzeilen, die diese mit Witz vorzutragen weiß.

Handwerklich ist "Für immer eins" solide; die Kamera von Arnaldo Catinari schwelgt in malerischen Landschaften und geschmackvoll eingerichteten Innenräumen; die musikalische Untermalung führt gelegentlich zu einer gewissen Verkitschung.

Fazit: Eine gediegen gefilmte Tragikomödie, die ein altbekanntes Muster reizvoll variiert, in der Figurenzeichnung und im Schauspiel aber nicht durchweg zu überzeugen vermag.




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