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Kritik: Solness (2016)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Theaterregisseur Michael Klette wagt nach zahlreichen Drehbüchern für Fernsehen und Film nun auch im Kino sein Regiedebüt. Mit Literatur(verfilmungen) kennt sich der Theatermann selbstredend aus, schrieb zudem ein preisgekröntes Drehbuch für die Horváth-Adaption "Kasimir und Karoline" (2011). Auch "Solness" stammt aus Klettes Feder, ist aber nur recht lose an Henrik Ibsens Vorlage angelehnt. Klette lässt vieles im Dunkeln, was der Geschichte und den Figuren bis zum Schluss etwas Undurchdringliches und Un(be)greifbares verleiht.

Klettes Protagonist, der titelgebende Architekt Solness (Thomas Sarbacher) ist ein von Verzweiflung, Krankheit und Schuld Getriebener. Aus Sorge, von der jüngeren Konkurrenz irgendwann beiseite geschoben zu werden, umgibt er sich zwanghaft mit dieser Jugend, ohne sie zu verstehen. Mit den Sojamilch trinkenden Hipsterarchitekten kann Solness ebenso wenig anfangen wie mit deren hipper Kaffeemaschine. Seinen Espresso trinkt er lieber gemeinsam mit seinem alten Kollegen Knut (Dieter Meier) auf dem Wochenmarkt. Ein Schuss Schnaps darf darin nicht fehlen. Danach pinkeln beide in einer Seitengasse gegen die Wand. Zwei Recken, für ihr Alter immer noch sportlich, gutaussehend und elegant, dennoch maskulin und roh und damit kein Vergleich zu den Bübchen in ihrem Büro.

Unter Solness' rauer Schale schlummert aber noch etwas anderes. Das Publikum ahnt es. Die entsättigten, verwaschenen Farben und unscharfen Ränder der Filmbilder deuten den dunklen Fleck in Solness' Vergangenheit von vornherein an. Als die verführerische Hilde (Julia Schacht) auf der Bildfläche erscheint, brechen alte Wunden wieder auf, gerät Solness' Beziehung zu seiner Frau, zu Hilde und zu seinen Kollegen schließlich völlig aus den Fugen – und das Publikum folgt dem Protagonisten von Übersprunghandlung zu Übersprunghandlung enthemmt durch die Nacht.

Michael Klette setzt das in wohldurchdachten Bildkompositionen in Szene. Die Architektur, ein Sinn für Geometrie und Formen durchziehen die Einstellungen und spiegeln auch immer Solness' Seelenlandschaft. Insgesamt bleibt in diesem düsteren Spiel jedoch zu viel im Dunkeln, wirkt die Handlung letztlich zu konstruiert, zu statisch, fehlt etwas der Drive.

Fazit: Theaterregisseur Michael Klette gelingt mit "Solness" ein visuell anspruchsvolles, gut gespieltes Kinodebüt, dessen Handlung jedoch zu konstruiert wirkt und dem etwas Dynamik fehlt.





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